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Alter Trash – Buchempfehlung

Rolf Giesen

Im Zuge einer kleinen Antiquariatsplünderung wegen Räumungsverkaufs habe ich in den Tiefen der Regale ein echtes Kleinod gefunden: Kino wie es keiner mag. Die schlechtesten Filme der Welt. Dieses prächtige Buch von Rolf Giesen aka Dr. Horror aus dem Jahre 1984 ist nicht nur humorvoll und erzählerisch gekonnt geschrieben, es gewährt auch schockierende Einblicke aus dem inneren Kreis des professionellen Filmjournalismus. Hier finden wir etwa Zitate eines US-amerikanischen Gouverneurs, der über seine erste große Rolle in einem Interview bemerkte:

Ich bin Conan! Er ist wie ich, ein sehr physischer Charakter. Während des ganzen Films gibt es keinen Augenblick, in dem er denkt.

Phantastisch – daran scheint sich bis heute ja auch nicht viel geändert zu haben. A Propos, der Herr Schwarzenegger hat einer Gastrolle in Sly Stallones neuem Film The Expendables zugesagt; das aber nur am Rande. Des Weiteren lässt Giesen in seinem Buch kein gutes Haar an deutschen Schauspielerikonen wie etwa Hanna Schygulla, klärt uns über die erregende Welt des Sex- und Sittenfilms auf und verortet  die Wüdenträger des Neuen Deutschen Film neben den B-Movie-König Edwood D. Wood Jr.. Einer der absoluten Höhepunkte bietet die Besprechung von dem Gemüserachefilm Angriff der Killertomaten. Außerdem wartet Giesen mit Filmen auf, von denen wohl die Wenigsten bisher gehört haben werden, wie z.B. dem Experimentalfilm Corn von Larry Gottheim (der selbst bei imdb nicht gelistet ist) aus dem Jahre 1970,  der sein Machwerk selbst als das “Ding” bezeichnete und durch eine einzige, 11 Minuten dauernden Einstellung eines Fensterbrettes besticht. Die Szenerie wird kontinuierlich mit Maisschoten gefüllt. Das ist der ganze Film:

Prosaischere Zeitgenossen freilich haben bei dem “Ding” das unbestimmte Gefühl, da habe jemand achtlos eine laufende Schmalfilmkamera liegenlassen und sich hinterher selbst darüber gewundert, was drauf war.

Oder ein Bericht von der Perry-Rhodan-Verfilmung Der Einsame der Zeit, der irgendwann 1968 zu drehen begonnen wurde (es hieß er würde wohl niemals fertig werden) und dann in der vollendeten Fassung mit einer Gesamtlänge von drei Tagen aufwartete – alles auf 8mm.

Tränen des Lachens füllten meine Augen bei dem Kapitel Schlagzeilen die keine Filmgeschichte machten; hier eine Kostprobe:

Angst, Haß, Wollust und Gewalt
durchrasen diesen höllischen Superschocker,
der die nackte Fratze menschlicher Perversionen
schonungslos geißelt!
(Supervixens Eruption)

Wo der Mensch ohnmächtig ist gegen die übernatürlichen Kräfte der Vampire, kann nur einer helfen, der Superheld!
(Ein Superheld gegen Vampire)

Er heißt MIKE. Keiner kennt ihn.
Er wird verspottet, geschlagen, verfolgt.
Aber er bekommt seine letzte Chance, wenn er in 3,8 auf 100 beschleunigt.
(Mike in 3,8 auf 100)

Unterhaltende, gut geschriebene Lästerei von einem Profi – die schöne Seite der Filmkritik. Wer das Buch günstig erstehen will, sollte mal bei zvab vorbeischauen. Ich schließe mit den von Giesen ins Deutsche übersetzten weisen Worten Bela Lugosis aus Glen or Glenda?

Hüte dich! Hüte dich
vor dem großen grünen Drachen,
der vor deiner Haustür sitzt!
Er frißt kleine Schwänze junger Hunde und
dicke, fette Schnecken.
Hüte dich!
Nimm dich in acht!
Hüte dich!


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Was immer das auch bedeuten möge, ich für meinen Teil hüte mich vor schlechten Filmen, die jedoch, entgegen der von Giesen besprochenen Filme, tagtäglich über die Riesenleinwände der heutigen Belustigungstätten flimmern und Hirn und Herz der Menschen veröden. Das ist allerdings eine andere Geschichte…

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