Artikel-Schlagworte: „Kunst“

Meditative Pause – Bücherobelisk in Kreuzberg

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Und da sah ich ihn: Den Bücherobelisken vor Umbras Kuriositätenkabinett in Kreuzberg (so einen Satz wollte ich immer schon mal schreiben). Mit einer Höhe von etwa 2,50 Meter, gekrönt von zwei alten Schreibmaschinen, stechen aus dem schneebedeckten Bauwerk Titel wie „The Columbia Encyclopedia“, „Zur guten Stunde“ oder „Hotels zum Träumen“ hervor. In der oberen Etage wacht Marcel Reich-Ranicki, wie auch sonst, über den Bestand der holzmedialen Kultur. Wenn sich archaische Baukunst und Schriftkultur ein Stelldichein in Schneewehen liefern – ausdrucksstark und postmodern; eine Einladung zum Verweilen.

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Zombie!

Für George A. Romero sind Zombiefilme mehr als die dezidiert gefilmte, bloße Zerlegung des menschlichen Körpers. Er verstand (und versteht) diese besonders in ihrer kritisch-subversiven Ausdruckskraft und verhandelt in seinen Filmen Themen wie Rassismus, Krieg oder Isolation des (post)modernen Menschen. Spätestens seit Shaun of the Dead und Zombieland ist das Genre auch massenkompatibel geworden, wobei das Komödienpotential des Zombiefilms im Vordergrund steht. Ich habe mich in den letzten Tagen mal auf die Suche nach Grafiken bzw. Illustration gemacht (ich liebe deviantART), die das Thema Zombie zur Werkgrundlage gewählt haben und dieses witzig und ausgefallen aufarbeiten. Hier die Ausbeute:

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Jüdisches Museum

Jüdisches Museum Berlin

Nun habe ich es endlich mal in das Jüdische Museum in Berlin geschafft, und ich muss schon sagen, dies war eine sehr wertvolle Erfahrung. Seit langem beschäftige ich mich explizit mit Kunst in ihrem Zusammenhang mit Raum, aber auch generell mit der Fragestellung, was Raum bzw. Einräumung mit Erinnerung, Existenz und Kultur zu tun hat. Die von Daniel Libeskind entworfene Architektur nun besitzt eine vehement intellektuelle Dimension. Der Grundriss des Gebäudes, aus der Vogelperspektive gedeutet als aufgebrochener Davidstern, vermittelt einen symbolischen Gehalt der fundamentalen Ver- und Zerstörung, die vor allem das europäische Judentum durch die Schoah erlitten hat. Natürlich ist das Gebäude Begegnungsstätte und Mahnmal zugleich. Alles ist aus der Form geraten, die Gänge sind schief und abschüssig, schwere Eisentüren führen in kalte, leere und finstere Türme, die dem Besucher weit mehr als nur einen Schatten auf das Gemüt legen. Ein winziges Fenster spendet spärlich Licht, so hoch oben, das es einem nie zu erreichenden Hoffnungsschimmer gleicht. Von höher gelegenen Teilen des Museums aus blickt man in abgeschlossene Höfe, die in ihrer betonenen Ummantelung und klaustrophobischen Enge das Vorgefühl eines Gefängnishofes evozieren; wir sehen uns mit symbolischer Leere konfrontiert, wir sehen das, was einst zusammengerückt in ähnlichen Räumen fristete: Menschen, die auf ihre Ermordung warteten. Man fühlt sich unwohl, man erfährt die Geschichte als in Stein gehauenes Verbrechen an der Menschheit. Die Leerstellenkonzeption entfaltet hier ihre volle Wirkung: Siehe, diese Türme sind leer, hier klafft eine Wunde für die Ewigkeit, das, was Europa an jüdischer Kultur genommen wurde, wird nicht mehr wieder kehren. Ohnehin geht es maßgeblich um Sehen und Erfahren. Wir sehen aus einem kleinen Fenster in eine Schlucht hinab, deren Boden mit Metallscheiben schreiender Gesichter bedeckt ist, als Ausdruck namenlosen Entsetzens. Wir sehen durch Schießscharten ähnelnde Fenster bang auf die Welt außerhalb des Museums, bang in unsere eigene Zukunft. Und wir folgen Treppen, die uns ins Nichts oder genauer, vor eine Wand rennen lassen. Natürlich berühren sich hier Ideologie und Propaganda im Zeichen einer negativen Dialektik. Aber gerade das der intellektuellen Durchdringung entrückte Gefühl, das so dezidiert herauf beschworen wird, nicht durch Pathos, sondern durch ein höchstes Maß an Reduktion, die Unfassbarkeit des Verbrechens, dem man sich in Anbetracht der Einzelschicksale aufbereitet in vignettierten Vitrinen zwar bewusst zu machen versucht, dieser Versuch jedoch scheitern muss, sind es, worauf es eigentlich ankommt. Die Räume treten in Kommunikation zu den Besuchern, sie reden zu uns vom Unaussprechlichen.

DSCF1498Das Museum ist in Gänze von einem harten Kontrast geprägt. Im Eingangsbereich wird der fundamentale Schock des Genozids maßgeblich durch die zu diesem Zweck funktionalisierte Architektur vermittelt. Inhaltlich wird dieses Konzept mittels der Ausstellung einiger weniger Einzelschicksale getragen. Ein Teeservice, ein alter Koffer, ein paar Schriftstücke und dazugehörige Photographien ihrer vormaligen Besitzer, nur dürftig versehen mit einem rudimentären Lebenslauf, Momentaufnahmen von Einzelnen, bevor sie in das große Kollektiv der Vernichteten eingingen. Nach dem endlosen Aufstieg dann die eigentlichen Museumsräume. Hell und hoffnungsvoll, bunt und intermedial wird hier jüdische Geschichte dargestellt. Die Einzelschicksale hat der Besucher hinter bzw. unter sich gelassen und betritt nun den Gang durch die Jahrtausende alte jüdische Geschichte, stringent und chronologisch aufbereitet. Die auf Opfer- und Individualhistorie verengte Perspektive wird vom großen historischen Überblick abgelöst, ein krasser Paradigmenwechsel. Viele der dortigen Installationen basieren auf Interaktion und symbolischer Partizipation an einer besseren Zukunft – für alle Menschen. Hier stößt man auch auf Exponate, die vollkommen absurd wirken und deren Ausstellung den oft zitierten jüdischen Humor preisgeben; wie zum Beispiel eine Vitrine voller neumodischer Kippot, vornehmlich der religiösen Ausübung vorbehaltene Kopfbedeckungen, die verziert sind mit Comicbildern von Superman, Batman und Charakteren der US-Amerikanischen Serie Friends. Wann immer ich das Hereinbrechen popkultureller Ikonographie in religiöse Formalismen beobachten darf, verwirrt es mich, nicht intellektuell, sondern ästhetisch oder geschmacklich – das ist wie Wackelpudding mit Senf essen. Aber der jüdische Humor ist nicht umsonst einer der großartigsten der Welt, und als ebenso großer Bewunderer von Mel Brooks und Filmen wie Zug des Lebens nehme ich dies hier vor allem schmunzelnd wahr und freue mich umso mehr über ein weiteres skurriles Exponat, ein japanisches Dildokästchen. Doch auch beim Gang durch die in warmes, freundliches Licht getauchten Räume erinnert der Blick durch enge Fenster in die erwähnten Höfe fortwährend an erlittenes Grauen. Auch die Außenfassade mit dem tristen, stumpfen Grau ihrer blechernen Verkleidung und den schmalen Fensterschlitzen deutet auf den irreparablen Schaden hin; so scheint es von weiter weg, als klaffen zahlreichen Wunden aus dem Gebäude selbst, als sei es schartig und zerrissen. Zum Ende der Ausstellung hin begegnet man noch einigen wenigen Exponaten, die kurz und knapp noch einmal die Auswirkungen des Holocaust anhand der Bilder verstümmelter Leichen wach rufen. So könnte man deuten, dass dieser trotz allem nur ein weiterer DSCF1519Ausschnitt innerhalb der Geschichte eines Volkes ist, das hier vorranging durch die Weglassung weiterer Zeitzeugnisse seinen Stolz betont.

Allgemein stellt das Museumskonzept den Genozid nicht der jüdischen Geschichte und Kultur gegenüber, es integriert ihn, macht diesen in jedem Moment sichtbar, mal unterschwellig, mal dezidiert, und deutet noch im Eingangsbereich, diesmal eher unfreiwillig, über sich selbst auf die aktuellen Ereignisse hinaus. Angefangen von den mit Maschinengewehren bewaffneten Beamten, über die Flughafendurchleuchtung des am Körper getragenen Habs und Guts bis hin zu der Einzelabtastung mit dem Metalldetektor war ich noch in keinem Museum, in dem eine solche Angst vor Anschlägen herrscht. Besucht dieses Museum, es ist ein Garant für vermischte Empfindungen, Skurrilität und Nachdenklichkeit.

siehe auch

Bilder Träume

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Bilder Träume

Oder: Wenn ein Jacket und eine Plastikflasche die Kunst gefährden.

nationalgalerie

Am Wochenende besuchte ich die Ausstellung Bilder Träume in der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Vorab, die ausgestellten Exponate sind großartig, berührend, mitreißend, absolut sehenswert. Doch immer wenn ich ein Museum besuche, fühle ich mich irgendwie unwohl. Und das liegt meist an dem misstrauischen Klima, das in einem herkömmlichen (deutschen) Museum vorherrscht: es geht zu wie in einem Hochsicherheitstrakt. Man steht unter andauernder Beobachtung der Wärter. Ich schlenderte die Bilder entlang, da kam schon die erste Aufseherin und forderte mich auf, natürlich als Bitte formuliert, mein Jacket entweder um den Bauch zu binden oder selbiges wieder anzuziehen. Ich hatte nämlich einen nahezu unzumutbaren Fehler begangen: Das Jacket baumelte mir lässig über dem Arm. Nicht wissend, dass diese Geste ein immenses Gefahrenpotential für die dort versammelte Kunst darstellte, fragte ich naiv: Warum? Die Erklärung wurde mir prompt serviert. Ich könne nämlich entweder mit dem nachlässig hängenden Stoff die Bilder im Vorbeigehen beschädigen oder aber, und man muss gestehen, dass die nun folgende Ausführung sehr viel sinnvoller ist, ich könne eine die Bilder schädigende Substanz darunter verbergen, wie zum Beispiel Säure. Säure?!?Ja, Säure! Einleuchtend, wie konnte ich darauf nicht von selbst kommen. Die Gefahrenquelle aus dem Weg geräumt setzte ich meinen Weg fort. Einige Räume und ein Dutzend Aufseher später ließ ich mich kurz auf eine Sitzgelegenheit nieder und nahm einen Schluck Wasser aus einer mitgeführten Flasche. Dies rief erneut einen der Wärter auf den Plan. Das geht ja gar nicht, also da kriegen Sie wirklich Ärger, schallte mir die Stimme des sich in all seiner drohenden Würde nun vor mir aufbauenden Mannes entgegen. Wiederum fragte ich, was ich denn diesmal angestellt habe, immer noch naiv, doch schon im Wissen, dass ich die Exponate höchstwahrscheinlich erneut einer unverzeihlichen Gefahr ausgesetzt haben musste. Sie müssen die Flasche sofort an der Garderobe abgeben, denn es ist strengstens verboten, Flüssigkeiten mit in die Ausstellung zu bringen! Blitzschnell wurde mir klar, dass sich in der Trinkflasche natürlich Säure befinden konnte, so dass ich die Flasche einfach in einem Zug leerte, den Wärter angrinste und entgegnete, dass die Flasche ja nun leer sei, und ich jetzt wohl nicht mehr zurück zur Garderobe müsse. Da könne man nochmal ein Auge zudrücken – Ich konnte gar nicht gespielt genug zum Ausdruck bringen, wie sehr es mir Leid tat, dass ich es gewagt hatte, eine Plastikflasche stillen Wassers auf meinem Weg durch die schlecht belüfteten, die Kehle innerhalb weniger Minuten austrocknenden Hallen mit mir zu führen und dankte ehrerbietig der großen Kulanz des Wärters. Beim Weitergehen hörte ich ihn noch zum Herrscher des nächsten Raumes sagen: Der da hat eine leere Flasche bei sich, aber ich habe ihm die Erlaubnis erteilt, diese weiter mit sich zu führen. Nach diesem Erlebnis bewundere ich Banksy einmal mehr für seine tollkühnen Aktionen und denke darüber nach, was wohl passiert wäre, hätte das Personal mein Feuerzeug und mein Taschenmesser entdeckt.


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