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AVATAR – Fluch und Segen
Eine kommentierte Sammlung zur vielfältigen Rezeption und Weiterverwertung eines Massenphänomens.
Es soll ja tatsächlich Menschen geben, die James Cameron’s neuester Film (Wie heißt er noch gleich, Moment, ich schau mal bei Wiki nach, ach ja, stimmt: AVATAR) nicht begeisterte. Ich gehöre definitiv dazu. Der Film ist in künstlerischer Hinsicht kaum relevant, ist dieser im Kern doch nur die Aufbereitung des ewig Gleichen. Seine einzige Stärke liegt in der Anwendung technisch neuer, zum Teil eigens für diesen entwickelter Verfahren, kombiniert mit einer unglaublich clever konzipierten Marketingstrategie. Soziologisch, kulturkritisch und medienphilosophisch gelesen, ist AVATAR jedoch von großer Relevanz, da dieser ein Massenphänomen darstellt, was selten hohe Wellen schlägt und ebenso selten emotionale Kräfte freisetzt. Ich habe tatsächlich nicht wenige Kommentare gelesen, die bezeugen, dass sich Menschen persönlich angegriffen fühlen, spricht man dem Film seine Größe ab. Dies soll an dieser Stelle aber nur Randnotiz bleiben.
Eine für mich sehr interessante Dynamik ist die vielfältige Rezeption der cameron’schen Version eines Eskapismusspektakels, die sich grundsätzlich in die beiden Lager einer Der-beste-Film-den-ich-je-gesehen-habe-Mehrheit und Ich-hasse-den-Film-Minderheit aufgliedern lässt.
Persönlich bekenne ich mich zu keiner der beiden Gruppen, da mich der Streifen schlicht anödete. Der Film ist bei Weitem nicht Ursache meiner polemischen Tiraden gewesen. Lediglich selbiger als markantes Beispiel für eine Industrie, die mit Filmkunst nichts gemein hat und in der ich einige äußerst unangenehme Nebenwirkungen verorte, ist und bleibt Ursprung meines Unmuts.
Aufgrund dieser Ausgangssituation ist es überflüssig zu bemerken, dass ich der zuletzt genannten Gruppe zwangsläufig wohlgesonnener bin. Und genau um diese Menschen geht es mir im Folgenden. Ich möchte ihnen hiermit zurufen: Ihr seit nicht allein. Obwohl man euch bereits ausschließt und öffentlich anfeindet, wie ihr es nur wagen könnt, diesen pseudoepischen Nonsense nicht von Herzen zu lieben, mindestens dreimal zu schauen und Cameron als euren cineastischen Heilsbringer zu akzeptieren. Obwohl man dazu übergehen wird euch zu teeren und zu federn (wenn das Wetter es wieder zulässt), vorausgesetzt ihr weigert euch auch noch nach Teil 2, 3, 4 usw. + Serie das Ganze abzulehnen. Obwohl ihr die Akzeptanz vielleicht sogar eurer Liebsten verspielen werdet, rufe ich euch zu: Bleibt stark! Zur Ermutigung habe ich hier ein paar Stimmen für euch gesammelt, die den Kummer der neuen Einsamkeit durchbrechen sollen: Amen!
Los geht es mit Mike, der regelmäßig erfrischend bösartige, exentrische und höchst detaillierte Filmbesprechungen in Videoformat veröffentlicht. Wem die AVATAR-Rezension gefällt, kann sich an seinem youtube channel RedLetterMedia weiter erfreuen: “James Cameron’s AVATAR was probably the worst blue movie I have ever seen.”
Barry Steele legt auf einem meiner Lieblingsblogs ebenfalls differenziert auseinander, warum er mit Avatar so seine Schwierigkeiten hat.
Dann wäre da noch Annalee Newitz, die die gerechtfertigte Frage aufwirft, wann Weiße endlich damit aufhören werden, Filme wie AVATAR zu drehen. Auf /Film gibt es dazu den passenden Podcast, in der ihre These diskutiert wird.
Das hier ist übrigens der beste Kommentar, den ich überhaupt zu AVATAR gelesen habe (via):
Hier kann man übrigens auch das Originaldrehbuch lesen (Vorsicht, kein 3D).
AVATAR ist in vielfältiger Hinsicht sogar gefährlich. So bekamen nicht nur einige jugendliche Zuschauer Depressionen nach dem Film (mich wundert immer noch, warum nicht während dessen) und spielten sogar mit Selbstmordgedanken.
Auch ist der Film dem Vatikan und der amerikanischen Initiative für Nichtraucher ein Dorn im Auge. Ersterem, weil der “gepuderte Tuntenhaufen” der Auffassung ist, hier werde die Natur als verehrungswürdige Gottheit dargestellt (unzählige Menschen wurden über Jahrhunderte abgeschlachtet, damit die Christenheit eben nicht mehr dieser häretischen Fehlinterpretation aufsässig ist [im Übrigen: Wisst ihr eigentlich, was die große Leistung von St. Martin war, warum er eigentlich gefeiert wird?]) und letzterer, weil ein postiv konnotierter Charakter mit (Vorbild) in Stresssituationen zur Kippe greift – Puh, das kann man dem Film nun wirklich mal vorwerfen #Kopfschuss.
Zum Staatsfeind Nr.1 ist der Film indes in China mutiert. Hier wird der Film nur noch eingeschränkt in den dafür vorgesehenen 3D-Kinos aufgeführt, weil er mögliche Volksaufstände auslösen könnte (nein, nicht weil die unzufriedenen Zuschauer ihr Geld zurück erstattet bekommen wollen, sondern weil es sie an eine Episode ihrer eigenen, jüngeren Geschichte erinnert und weil sie in Folge dessen vielleicht noch über die Diktatur, in der sie leben, reflektieren könnten). Vielleicht war dies sogar die eigentliche Mission, der sich Cameron verpflichtet sah: Die Befreiung der Chinesen aus ihrer Unterdrückung – weiß man’s?
Während China den Staat gefährdet sieht, hebt Korea den Film in die nächste Dimension: AVATAR in 4D.
Using moving seats, sprinkling water, laser lights, smells of explosives and wind, Korea’s leading multiplex chain, CJ-CGV, uses more than 30 effects during the movie and charges a much higher ticket price for the experience ($15.80 versus $6.90) (via).
Wie sich das wohl in Anbetracht eines Hollywood-KZ-Dramas anfühlen mag?
Hier hört der Spaß dann tatsächlich auf. AVATAR hat Frauenfuss angegriffen! Das ist nun wirklich nicht mehr zu beschönigen!
Und für alle, die sich jetzt immer noch allein fühlen, auf Facebook gibt es eine I Hate Avatar Gruppe, die bereits über 1600 Mitglieder führt.
Wer im Übrigen gerne Coke Zero trinkt, sollte in Zukunft darauf achten, wo er das tut. Cola selbst hat hierzu einen warnenden Videobeitrag veröffentlicht, der etwaigen Folgeschäden vorzubeugen hilft – Danke Coke!
Schlussendlich hat auch die Titanic eine Verwendung für den Stoff gefunden.
Wer gar nicht mehr leben kann ohne sein Konterfei im AVATAR-Design in der Welt sozialer Netzwerke zu präsentieren, dem kommt diese Videoanleitung sicherlich gelegen.
Ich bin mal gespannt, welche Kreise der Film noch so ziehen mag. Von AVATAR-Selbsthilfegruppen, über rauschende Kostümfeste bis hin zu einem (hoffentlich) gelungenen Spoof scheint ja alles drin zu sein. Ich halte weiter für euch Ausschau und melde mich bald wieder zurück wenn es heißt: AVATAR II – Pandora’s Revenge…
Wenn ich hier wenig veröffentliche…
… veröffentliche ich wo anders um so mehr. Ein Wegweiser in eigener Sache.
- Auf VISUALBlog gibt es jetzt eine wöchentliche Filmempfehlung von mir. Maßgeblich geht es dort um Filme, die sich besonders durch ihren visuell-ästhetischen Gehalt auszeichnen. Also keine große Kritik oder tiefsinnige Rumphilosophiererei, sondern einfach nur Augenfreude.
- Gerade fertig geworden ist ebenfalls auf VISUALBlog mein erster Leitartikel, der 10 meiner favorisierten Moviesites bespricht.
- Für alles was absurd, apart, trashig oder völliger Quatsch aus dem Multiversum der Film- und Fernsehindustrie ist, gibt es die GHOSTOFTHEMOVIE-Fanpage auf Facebook. Jetzt neu mit zwei Kuriositätenserien: Kleines Absurditätenkabinett der Film- und Fernsehkunst und Nachrichten, die eigentlich ein Trashfilm sind.
Alle Trashfans und solche, die es noch werden wollen (es ist nie zu spät, sich einen völlig gestörten Geschmack zuzulegen) sind also herzlich eingeladen, hier ihre Kommentare zu Phänomenen wie Mr. T und seine Werbespots, surfende Nazis, Sean Connery in pinken Hotpants oder tieffliegenden Eisbären abzugeben. Viel Spaß!
Netz am Werk
GHOSTOFTHEMOVIE ist mit verschiedenen Netz-Diensten verknüpft, wovon jedem eine bestimmte, sinnvolle Funktion zufällt. Ich erwähne dies nur, da man häufig das Gefühl des Netzwerkens um des Netzwerkens Willen hat, und der tatsächlcihe Nutzen verschiedener Dienste nicht erkennbar scheint. GHOSTOFTHEMOVIE nutzt folgende Dienste:
twitter — In meinen tweets wird alles verlinkt, was ich im Netz Interessantes, Skurriles, Humorvolles oder einfach Wissenswertes über Film und angrenzende Medien finde. Selbverständlich werden auch die Links auf die neuesten Beiträge des Blogs selbst “getwittert”.
flickr — Hier gibt es meine Photos (die nicht direkt mit Film zu tun haben) und einen Teil der für den Blog angefertigten Graphiken.
Facebook — Der Klassiker unter den sozialen Netzwerken. GHOSTOFTHEMOVIE hängt an meiner eigenen Präsenz als Website-Vorstellung dran. Hier gerne auch Diskussionen über Film im Chat.
FriendFeed — Führt alle “feeds” einer Person zusammen, das zentrale Verzeichnis aller Inhalte. Wer sich also über neue Beiträge, Tweets und Photos auf dem Laufenden halten will, kann dies bequem über Friendfeed machen. Die verschiedenen Gruppen im Bereich Film haben einen sehr hohen informativen Mehrwert.
Bibsonomy — Empfehle ich immer gerne! Dies läuft unter der Bezeichnung “Social Bookmarks” und dient der Verwaltung der eigenen Lesezeichen. Wem die Lesezeichenfunktion des Browsers zu unübersichtlich ist, sollte dringend auf dieses System (oder ähnliche) zurück greifen. Besonders die intgrierte Suchfunktion und die Verschlagwortung der Links sind Gold wert. Diese ermöglichen es nämlich eine eigene Semantik aufzubauen. Außerdem können die Lesezeichen ausgetauscht werden. Wer also Interesse hat zu lesen, was ich an Aufsätzen, Abhandlungen, Artikel etc. konsumiere, ist herzlich eingeladen, sich meine Bibsonomy-Seite anzuschauen.
Nochmal: Es ist nicht daran gelegen wild alle Dienste zu nutzen. Es sollte immer nach Funktion und persönlichem Vorteil selektiert werden. Jeder hat seinen Anspruch oder, wie wir es innerhalb der Agentur nennen, Leidensdruck. Dieser sollte die Auswahl an Diensten bestimmen, die aktiv genutzt werden. In meinem Fall wäre das vor allem Austausch und Information über Film, Kunst und Kultur.











