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xoo – Ein audiovisuelles Poem von Keychee und Timo Maier
Mit großer Freude kann ich verkünden, dass unser erster Kurzfilm fertig und online ist. xoo ist ein audiovisuelles Poem und Teil eines Doppelprojekts, an dem ich zusammen mit keychee arbeite. Es handelt sich um eine Art Mediencollage. Beide Filme, wovon der erste noch in Bearbeitung ist, gehen von einer anderen künstlerischen Disziplin als Grundlage aus. Der Erste wird aufgrund einer meiner Texte realisiert, zu dem Keychee ein Soundkonzept erarbeitet. Anschließend drehen wir zusammen die Bilder. Beim vorliegenden Film gingen wir von den Bildern aus, die Keychee im Berliner Zoo gedreht hat. Dazu komponierte er dann gleich noch ein Stück und ich habe anschließend einen Text dazu entworfen. Die Arbeit hat sehr viel Spaß gemacht und es ist jetzt schon sicher, dass noch einiges an kollaborativen Werken folgen wird. Lange Rede kurzer Sinn, lasst den Film einfach mal auf euch wirken und sagt uns ob und was er in euch bewegt oder freisetzt.
Internet Film Fest Webcuts.10: And the Winner is…
von Frank Feldmann (via)
Mit herausragenden internationalen Beiträgen, neuen Formaten und aktuellen Trends überzeugte das Internet Film Fest Webcuts.10, das am 1. Juni 2010 im Rahmen der web conference webinale stattfand. Wir waren vor Ort und konnten an einer gleichermaßen inspirierenden wie unterhaltsamen Veranstaltung teilnehmen.
Von über 250 eingereichten Filmen aus 30 Ländern waren 17 Filme aus Belgien, Frankreich, Mexiko, Russland, Taiwan, Uganda, USA und natürlich Deutschland nominierte worden. Die Vorauswahl war wirklich exzellent und mit Patrick Jean (“Pixels”), Casey Pugh (“STAR WARS uncut”) und vor allem Christoph Rehage (“The Longest Way”) haben unsre Favoriten kräftig abgeräumt . Die Jury von Experten aus den Bereichen Neue Medien, Design und Film entschied sich für folgende Preisträger (alle Beiträge findest du nach dem Klick auf den Link der jeweiligen Kategorie):
Kategorie: Documentary / Video Report
Titel: „The Longest Way”
Filmemacher: Christoph Rehage, Deutschland 2009
Begründung: “The Longest Way” ist eine ungewöhnliche, individuell gestaltete Reise-
Dokumentation mit teils witzigen, teils nachdenklich stimmenden Bildern, die den Autor
im Zentrum seiner selbst, und immer auch im Zentrum des Filmbildes auf seiner Reise
durch China zeigt. Der Autor Christoph Rehage hat hier eine ungewöhnliche Mischung
aus Selbstbetrachtung und Kulturdokumentation auf den Weg gebracht, bei der
kontrastierende Stimmungen und Erzählfluss unter anderem durch Tempowechsel,
Musik und Sounddesign unterstützt werden!
Meditative Pause – Bücherobelisk in Kreuzberg
Und da sah ich ihn: Den Bücherobelisken vor Umbras Kuriositätenkabinett in Kreuzberg (so einen Satz wollte ich immer schon mal schreiben). Mit einer Höhe von etwa 2,50 Meter, gekrönt von zwei alten Schreibmaschinen, stechen aus dem schneebedeckten Bauwerk Titel wie „The Columbia Encyclopedia“, „Zur guten Stunde“ oder „Hotels zum Träumen“ hervor. In der oberen Etage wacht Marcel Reich-Ranicki, wie auch sonst, über den Bestand der holzmedialen Kultur. Wenn sich archaische Baukunst und Schriftkultur ein Stelldichein in Schneewehen liefern – ausdrucksstark und postmodern; eine Einladung zum Verweilen.
Jüdisches Museum
Nun habe ich es endlich mal in das Jüdische Museum in Berlin geschafft, und ich muss schon sagen, dies war eine sehr wertvolle Erfahrung. Seit langem beschäftige ich mich explizit mit Kunst in ihrem Zusammenhang mit Raum, aber auch generell mit der Fragestellung, was Raum bzw. Einräumung mit Erinnerung, Existenz und Kultur zu tun hat. Die von Daniel Libeskind entworfene Architektur nun besitzt eine vehement intellektuelle Dimension. Der Grundriss des Gebäudes, aus der Vogelperspektive gedeutet als aufgebrochener Davidstern, vermittelt einen symbolischen Gehalt der fundamentalen Ver- und Zerstörung, die vor allem das europäische Judentum durch die Schoah erlitten hat. Natürlich ist das Gebäude Begegnungsstätte und Mahnmal zugleich. Alles ist aus der Form geraten, die Gänge sind schief und abschüssig, schwere Eisentüren führen in kalte, leere und finstere Türme, die dem Besucher weit mehr als nur einen Schatten auf das Gemüt legen. Ein winziges Fenster spendet spärlich Licht, so hoch oben, das es einem nie zu erreichenden Hoffnungsschimmer gleicht. Von höher gelegenen Teilen des Museums aus blickt man in abgeschlossene Höfe, die in ihrer betonenen Ummantelung und klaustrophobischen Enge das Vorgefühl eines Gefängnishofes evozieren; wir sehen uns mit symbolischer Leere konfrontiert, wir sehen das, was einst zusammengerückt in ähnlichen Räumen fristete: Menschen, die auf ihre Ermordung warteten. Man fühlt sich unwohl, man erfährt die Geschichte als in Stein gehauenes Verbrechen an der Menschheit. Die Leerstellenkonzeption entfaltet hier ihre volle Wirkung: Siehe, diese Türme sind leer, hier klafft eine Wunde für die Ewigkeit, das, was Europa an jüdischer Kultur genommen wurde, wird nicht mehr wieder kehren. Ohnehin geht es maßgeblich um Sehen und Erfahren. Wir sehen aus einem kleinen Fenster in eine Schlucht hinab, deren Boden mit Metallscheiben schreiender Gesichter bedeckt ist, als Ausdruck namenlosen Entsetzens. Wir sehen durch Schießscharten ähnelnde Fenster bang auf die Welt außerhalb des Museums, bang in unsere eigene Zukunft. Und wir folgen Treppen, die uns ins Nichts oder genauer, vor eine Wand rennen lassen. Natürlich berühren sich hier Ideologie und Propaganda im Zeichen einer negativen Dialektik. Aber gerade das der intellektuellen Durchdringung entrückte Gefühl, das so dezidiert herauf beschworen wird, nicht durch Pathos, sondern durch ein höchstes Maß an Reduktion, die Unfassbarkeit des Verbrechens, dem man sich in Anbetracht der Einzelschicksale aufbereitet in vignettierten Vitrinen zwar bewusst zu machen versucht, dieser Versuch jedoch scheitern muss, sind es, worauf es eigentlich ankommt. Die Räume treten in Kommunikation zu den Besuchern, sie reden zu uns vom Unaussprechlichen.
Das Museum ist in Gänze von einem harten Kontrast geprägt. Im Eingangsbereich wird der fundamentale Schock des Genozids maßgeblich durch die zu diesem Zweck funktionalisierte Architektur vermittelt. Inhaltlich wird dieses Konzept mittels der Ausstellung einiger weniger Einzelschicksale getragen. Ein Teeservice, ein alter Koffer, ein paar Schriftstücke und dazugehörige Photographien ihrer vormaligen Besitzer, nur dürftig versehen mit einem rudimentären Lebenslauf, Momentaufnahmen von Einzelnen, bevor sie in das große Kollektiv der Vernichteten eingingen. Nach dem endlosen Aufstieg dann die eigentlichen Museumsräume. Hell und hoffnungsvoll, bunt und intermedial wird hier jüdische Geschichte dargestellt. Die Einzelschicksale hat der Besucher hinter bzw. unter sich gelassen und betritt nun den Gang durch die Jahrtausende alte jüdische Geschichte, stringent und chronologisch aufbereitet. Die auf Opfer- und Individualhistorie verengte Perspektive wird vom großen historischen Überblick abgelöst, ein krasser Paradigmenwechsel. Viele der dortigen Installationen basieren auf Interaktion und symbolischer Partizipation an einer besseren Zukunft – für alle Menschen. Hier stößt man auch auf Exponate, die vollkommen absurd wirken und deren Ausstellung den oft zitierten jüdischen Humor preisgeben; wie zum Beispiel eine Vitrine voller neumodischer Kippot, vornehmlich der religiösen Ausübung vorbehaltene Kopfbedeckungen, die verziert sind mit Comicbildern von Superman, Batman und Charakteren der US-Amerikanischen Serie Friends. Wann immer ich das Hereinbrechen popkultureller Ikonographie in religiöse Formalismen beobachten darf, verwirrt es mich, nicht intellektuell, sondern ästhetisch oder geschmacklich – das ist wie Wackelpudding mit Senf essen. Aber der jüdische Humor ist nicht umsonst einer der großartigsten der Welt, und als ebenso großer Bewunderer von Mel Brooks und Filmen wie Zug des Lebens nehme ich dies hier vor allem schmunzelnd wahr und freue mich umso mehr über ein weiteres skurriles Exponat, ein japanisches Dildokästchen. Doch auch beim Gang durch die in warmes, freundliches Licht getauchten Räume erinnert der Blick durch enge Fenster in die erwähnten Höfe fortwährend an erlittenes Grauen. Auch die Außenfassade mit dem tristen, stumpfen Grau ihrer blechernen Verkleidung und den schmalen Fensterschlitzen deutet auf den irreparablen Schaden hin; so scheint es von weiter weg, als klaffen zahlreichen Wunden aus dem Gebäude selbst, als sei es schartig und zerrissen. Zum Ende der Ausstellung hin begegnet man noch einigen wenigen Exponaten, die kurz und knapp noch einmal die Auswirkungen des Holocaust anhand der Bilder verstümmelter Leichen wach rufen. So könnte man deuten, dass dieser trotz allem nur ein weiterer
Ausschnitt innerhalb der Geschichte eines Volkes ist, das hier vorranging durch die Weglassung weiterer Zeitzeugnisse seinen Stolz betont.
Allgemein stellt das Museumskonzept den Genozid nicht der jüdischen Geschichte und Kultur gegenüber, es integriert ihn, macht diesen in jedem Moment sichtbar, mal unterschwellig, mal dezidiert, und deutet noch im Eingangsbereich, diesmal eher unfreiwillig, über sich selbst auf die aktuellen Ereignisse hinaus. Angefangen von den mit Maschinengewehren bewaffneten Beamten, über die Flughafendurchleuchtung des am Körper getragenen Habs und Guts bis hin zu der Einzelabtastung mit dem Metalldetektor war ich noch in keinem Museum, in dem eine solche Angst vor Anschlägen herrscht. Besucht dieses Museum, es ist ein Garant für vermischte Empfindungen, Skurrilität und Nachdenklichkeit.
siehe auch
Viral Video Award
Das 25. Internationale Kurzfilmfestival Berlin steht vor der Tür (3. – 8. November 2009) und im Vorfeld läuft gerade der Viral Video Award, wo bereits kräftig abgestimmt werden kann. Die Videos haben mich vom pluralistischen Aspekt her mehr als überrascht. Inhaltlich sind diese teils sehr kritisch ausgerichtet, wenn etwa weltweite Misstände auf schockierende, informative oder ironische Art und Weise aufgearbeitet werden, teils wird aber auch schlichte Produktwerbung betrieben. Die Beiträge variieren in Machart und Länge, es herrscht eine wunderbare Vielfalt in Form und Stilistik. Besonders gefällt mir die Tatsache, dass sich hier enorm kostengünstige Indyproduktionen mit solchen größerer Firmen und Organisationen mischen. Da die Qualität der Kurzfilme allgemein auf einem sehr hohen Niveau ist, bin ich wirklich auf die Preisverleihung am 6. November gespannt. Hier meine Favoriten:









