In eigener Sache
Weil Schreiben / Bloggen so viel Freude macht und ich auch eher zu den Vielschreibern gehöre, hier eine kleine Übersicht, wo ich außerhalb von GHOSTOFTHEMOVIE noch veröffentliche:
(Automagazin)
(Alles, was das Auge erfreut)
(freier Journalismus)
und
(Quatsch und Zitate)
ach ja, und wer meine Photos sehen mag, hier ist der
Viral Video Award
Das 25. Internationale Kurzfilmfestival Berlin steht vor der Tür (3. – 8. November 2009) und im Vorfeld läuft gerade der Viral Video Award, wo bereits kräftig abgestimmt werden kann. Die Videos haben mich vom pluralistischen Aspekt her mehr als überrascht. Inhaltlich sind diese teils sehr kritisch ausgerichtet, wenn etwa weltweite Misstände auf schockierende, informative oder ironische Art und Weise aufgearbeitet werden, teils wird aber auch schlichte Produktwerbung betrieben. Die Beiträge variieren in Machart und Länge, es herrscht eine wunderbare Vielfalt in Form und Stilistik. Besonders gefällt mir die Tatsache, dass sich hier enorm kostengünstige Indyproduktionen mit solchen größerer Firmen und Organisationen mischen. Da die Qualität der Kurzfilme allgemein auf einem sehr hohen Niveau ist, bin ich wirklich auf die Preisverleihung am 6. November gespannt. Hier meine Favoriten:
Riesen reisen durch Berlin
Die französische Compagnie Royal de Luxe unter der künstlerischen Leitung von Jean Luc Courcoult war zu Gast in Berlin und hat die Stadt mit ihren gigantischen Marionetten verzaubert. Mit 7m und 15m Höhe sind die Figuren, die von der emsigen Künstlertruppe tatsächlich durch die Stadt gepuppenspielt wurden, ein atemberaubender Anblick. Erinnerungen an Being John Malkovich werden wach und eine kindliche Freude darüber, dass es dies tatsächlich gibt. Man kann nur staunen, wie es die Künstler mittels exakter Abstimmung untereinander und durch extreme Einbringung ihrer Muskelkraft verstehen den Figuren Leben einzuflössen. Nachdem die Riesin von ihren Dienern aufgeweckt und angekleidet wurde, bewegte sie sich auf einem künstlichen Schiff durch die Stadt, um später dann tatsächlich auf die Spree verschifft zu werden. Die mehr als doppelt so große Figur des Tauchers wurde sogar per Kran aus der Spree aufgetaucht. Da das Spektakel über den Tag der Deutschen Einheit verlief, wurden aus einer Konfettikanone Kopien alter Postkarten und Briefe ins Publikum geschossen. Diese Schriftstücke, die einst geschrieben von Kindern zur Zeit des geteilten Deutschlands nie zugestellt wurden, kamen so endlich zu ihrem Recht. Einzeln geborgen aus dem Dunkel der Stasiarchive, vervielfältigt in den Himmel geschossen und dem Wind als Zufallsboten übergeben – eine schöne und zarte Idee.
Ich besuchte die Parade zusammen mit einem französischen Freund, der aus dem Städtchen Nantes kommt, der Heimat von Royal de Luxe. Dort hat er sie schon einmal gesehen und wunderte sich über die extremen Sicherheitsvorkehrungen, da in seiner Heimatstadt während des laufenden Umzugs die Puppen auch berührt werden dürfen und sogar Kinder auf die Marionettenarme gehoben werden. Ein anderer Kollege aus Frankreich war etwas traurig über das Verhalten älterer Zuschauer, die sich vor seine Jüngste schoben und auch nach Bitten die Kleine nicht vorließen. Und wieder einmal musste ich mich ein wenig der hiesigen Kinder(un)freundlichkeit schämen und anerkennen, dass in Deutschland Spaß halt seine Grenzen hat.
Viel Photomaterial und ein schönes Video, das die Dramaturgie des Riesenumzugs widergibt, findet sich auf VisualBlog.
Meditative Pause
Eines Morgens werde ich aufwachen, aus dem Fenster schauen und Bilder werden über die Fassaden kriechen, mäandern, sich aufbäumen und vergehen und mir Geschichten von Geschichten erzählen: Der Bildersturm hat begonnen.
COMBO a collaborative animation by Blu and David Ellis (2 times loop) from blu on Vimeo.
Bilder Träume
Oder: Wenn ein Jacket und eine Plastikflasche die Kunst gefährden.
Am Wochenende besuchte ich die Ausstellung Bilder Träume in der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Vorab, die ausgestellten Exponate sind großartig, berührend, mitreißend, absolut sehenswert. Doch immer wenn ich ein Museum besuche, fühle ich mich irgendwie unwohl. Und das liegt meist an dem misstrauischen Klima, das in einem herkömmlichen (deutschen) Museum vorherrscht: es geht zu wie in einem Hochsicherheitstrakt. Man steht unter andauernder Beobachtung der Wärter. Ich schlenderte die Bilder entlang, da kam schon die erste Aufseherin und forderte mich auf, natürlich als Bitte formuliert, mein Jacket entweder um den Bauch zu binden oder selbiges wieder anzuziehen. Ich hatte nämlich einen nahezu unzumutbaren Fehler begangen: Das Jacket baumelte mir lässig über dem Arm. Nicht wissend, dass diese Geste ein immenses Gefahrenpotential für die dort versammelte Kunst darstellte, fragte ich naiv: Warum? Die Erklärung wurde mir prompt serviert. Ich könne nämlich entweder mit dem nachlässig hängenden Stoff die Bilder im Vorbeigehen beschädigen oder aber, und man muss gestehen, dass die nun folgende Ausführung sehr viel sinnvoller ist, ich könne eine die Bilder schädigende Substanz darunter verbergen, wie zum Beispiel Säure. Säure?!? – Ja, Säure! Einleuchtend, wie konnte ich darauf nicht von selbst kommen. Die Gefahrenquelle aus dem Weg geräumt setzte ich meinen Weg fort. Einige Räume und ein Dutzend Aufseher später ließ ich mich kurz auf eine Sitzgelegenheit nieder und nahm einen Schluck Wasser aus einer mitgeführten Flasche. Dies rief erneut einen der Wärter auf den Plan. Das geht ja gar nicht, also da kriegen Sie wirklich Ärger, schallte mir die Stimme des sich in all seiner drohenden Würde nun vor mir aufbauenden Mannes entgegen. Wiederum fragte ich, was ich denn diesmal angestellt habe, immer noch naiv, doch schon im Wissen, dass ich die Exponate höchstwahrscheinlich erneut einer unverzeihlichen Gefahr ausgesetzt haben musste. Sie müssen die Flasche sofort an der Garderobe abgeben, denn es ist strengstens verboten, Flüssigkeiten mit in die Ausstellung zu bringen! Blitzschnell wurde mir klar, dass sich in der Trinkflasche natürlich Säure befinden konnte, so dass ich die Flasche einfach in einem Zug leerte, den Wärter angrinste und entgegnete, dass die Flasche ja nun leer sei, und ich jetzt wohl nicht mehr zurück zur Garderobe müsse. Da könne man nochmal ein Auge zudrücken – Ich konnte gar nicht gespielt genug zum Ausdruck bringen, wie sehr es mir Leid tat, dass ich es gewagt hatte, eine Plastikflasche stillen Wassers auf meinem Weg durch die schlecht belüfteten, die Kehle innerhalb weniger Minuten austrocknenden Hallen mit mir zu führen und dankte ehrerbietig der großen Kulanz des Wärters. Beim Weitergehen hörte ich ihn noch zum Herrscher des nächsten Raumes sagen: Der da hat eine leere Flasche bei sich, aber ich habe ihm die Erlaubnis erteilt, diese weiter mit sich zu führen. Nach diesem Erlebnis bewundere ich Banksy einmal mehr für seine tollkühnen Aktionen und denke darüber nach, was wohl passiert wäre, hätte das Personal mein Feuerzeug und mein Taschenmesser entdeckt.












