Zombie!
Für George A. Romero sind Zombiefilme mehr als die dezidiert gefilmte, bloße Zerlegung des menschlichen Körpers. Er verstand (und versteht) diese besonders in ihrer kritisch-subversiven Ausdruckskraft und verhandelt in seinen Filmen Themen wie Rassismus, Krieg oder Isolation des (post)modernen Menschen. Spätestens seit Shaun of the Dead und Zombieland ist das Genre auch massenkompatibel geworden, wobei das Komödienpotential des Zombiefilms im Vordergrund steht. Ich habe mich in den letzten Tagen mal auf die Suche nach Grafiken bzw. Illustration gemacht (ich liebe deviantART), die das Thema Zombie zur Werkgrundlage gewählt haben und dieses witzig und ausgefallen aufarbeiten. Hier die Ausbeute:
Sigur Rós oder die Menschheit im Abendrot der Apokalypse
Sigur Rós, das bedeutet zarte melancholische Tiefe mit ironischem Augenzwinkern und kritischem Impetus. Eine isländische Band, an die ich vor Jahren meine Sinne verlor und deren Videos meines Erachtens zu den hervorragendsten der Videoclipgeschichte gehören. Traurig bis düster, zwischen Hoffnung und Niederlage des Menschengeschlechts aber immer in gemäßigtem Tempo sind die Videos der Isländer keine Bewegtbilder zur Musik, sondern vielmehr eigenständige Kurz- und Kunstfilme, die auf ihre ganz besondere Weise die conditio humana neu verhandeln.
Wir sehen in ausdruckslose Kindergesichter. Die Kleinen, einmal geprüft und untersucht, setzen ihre Gasmasken auf, um anschließend in die postapokalyptische Welt von morgen einzutreten, im Ascheschnee einer toxischen Atmosphäre herumzutollen und – wunderbar kohärent – schwarze Schneemänner zu bauen. Gewalt und Unschuld, eine der großen Dualismen klassischer Literatur, sind hier nicht konträr, sondern im dystopischen Abendrot vereinigt. Teils an den romantischen Mythos der Kinderzeit anknüpfend, teils sich in Entzauberung übend (Erinnerungen an die Kinderspiele in den Filmen Sam Peckinpah’s werden wach) wird Hoffnung hier allerdings nicht völlig suspendiert. Zwar tut es der Nachwuchs dem Ikarus gleich und springt über die Klippen, um, zumindest zeitweise fliegend, letztendlich doch lächelnd in die Tiefe zu stürzen. Doch da gibt es auch Rentner, die mit Holzschwertern bewaffnet durch die Vorortstraßen ziehen und sich selbst noch einmal neu erfinden; es ist nie zu spät das Versprechen auf die Rückerstattung der verlorenen Kindheit doch noch einzulösen.
Die Botschaften sind rückwärts gewandt und spiritistisch, manchmal wird dem Eskapismus gefrönt, manchmal in brutale Bodenständigkeit umgeschlagen. Sie mahnen den Menschen zur Wiederentdeckung der eigenen, körperbezogenen Natürlichkeit und dem Ideal naturverbundenen Lebens, doch ist hier nichts einseitig, was auch die große Stärke der visuell erzählten Geschichten ausmacht – es sind vermischte Empfindungen, die uns sacht heben und sacht wieder fallen lassen. Es sind vor allem Ausschnitte, die erzählt werden, episch angelegte Allegorien auf die Verlorenheit des heutigen Lebens, Flickenteppiche, in die der Wille zum Aufbruch, zur Ruhe, zum Widerstand und zur Selbstentdeckung liebevoll eingewebt sind.
Ästhetisch und photographisch sind die Musikkurzfilme auf aller höchstem Niveau, nichts anderes als kleine Meisterwerke. Martin Scorcese bemerkte einmal über Terrence Malick‘s Film Days in Heaven, man könne jedes Einzelbild dieses Films vergrößern und als Gemälde in einem Museum ausstellen – meines Erachtens gilt das ebenso für Sigur Ros. Und auch wenn ich die Musikvideos der üblichen verdächtigen Videokünstler und -revolutionäre wie Chris Cunningham, Michel Gondry oder Spike Jonze zu tiefst bewundere, haben mich die hier inszenierten Geschichten doch wie kaum etwas Anderes im gleichen Format ergriffen und bewegt. Meine Empfehlung: Machen Sie sich einen (schönen) Herbstabend mit Sigur Rós auf youtube und dann schieben sie den Film Heima gleich hinterher – wirklich ein visueller und klanglicher Orgasmus!
AVATAR – langweiliger kann Kino kaum sein
Teddy Adorno hatte Zeit seines Lebens Angst, ein Kinobesuch könnte seinem Verstand schwerwiegende Schäden zufügen. Beim Besuch eines 3D-Blockbuster-Events wie zur Zeit AVATAR eines darstellt, wird diese Vermutung mehr als bestätigt. Doch ist der Adornosche Spleen auf den Hauptfilm bezogen zunächst indiskutabel. Denn zuerst sind 45 Min. schlimmster Werbefilmfolter für vollkommen überflüssige, meist zuckerhaltige Produkte (und der Schweiz), die es natürlich für den Gegenwert eines halben Wocheneinkaufs im Kino käuflich zu erwerben gibt (außer der Schweiz), zu überstehen. Selbst die YouTube-Trailer zum ‘Event’ AVATAR waren zumeist schon mit Werbung voll gestopft, erste Vorboten einer nicht enden wollenden Vermarktungskette. Hat man dann noch die in ihrer Machart grottig bis unterirdischen Lokalwerbespots, die noch nicht mal als Trashkurzfilm gelesen irgend einen Unterhaltungsmehrwert bieten könnten, hinter sich gebracht, ist das Wahrnehmungsvermögen schon derart intensiv benebelt, geprügelt und halb hingerichtet, dass das abschließende intellektuelle Massaker in Form des Hauptfilms endlich beginnen kann. Aber zu früh gefreut, der Knall bleibt aus, es ist ein quälend langsamer Tod.
Wenn ich hier wenig veröffentliche…
… veröffentliche ich wo anders um so mehr. Ein Wegweiser in eigener Sache.
- Auf VISUALBlog gibt es jetzt eine wöchentliche Filmempfehlung von mir. Maßgeblich geht es dort um Filme, die sich besonders durch ihren visuell-ästhetischen Gehalt auszeichnen. Also keine große Kritik oder tiefsinnige Rumphilosophiererei, sondern einfach nur Augenfreude.
- Gerade fertig geworden ist ebenfalls auf VISUALBlog mein erster Leitartikel, der 10 meiner favorisierten Moviesites bespricht.
- Für alles was absurd, apart, trashig oder völliger Quatsch aus dem Multiversum der Film- und Fernsehindustrie ist, gibt es die GHOSTOFTHEMOVIE-Fanpage auf Facebook. Jetzt neu mit zwei Kuriositätenserien: Kleines Absurditätenkabinett der Film- und Fernsehkunst und Nachrichten, die eigentlich ein Trashfilm sind.
Alle Trashfans und solche, die es noch werden wollen (es ist nie zu spät, sich einen völlig gestörten Geschmack zuzulegen) sind also herzlich eingeladen, hier ihre Kommentare zu Phänomenen wie Mr. T und seine Werbespots, surfende Nazis, Sean Connery in pinken Hotpants oder tieffliegenden Eisbären abzugeben. Viel Spaß!




































