Exploitation Arts
Gerade habe ich mir auf einestages die Filmplakatgalerie Die albernsten Horrofilmplakate angeschaut (danke Marc) und muss wirklich sagen, dass mir diese Zusammenstellung viel Freude gemacht hat. Da es sich bei der Galerie nahezu ausschließlich um Exploitationfilme handelt, habe ich selbst noch ein wenig recherchiert, um ein paar Bizarrerien und Absurditäten hinzuzusteuern. Hier meine persönlichen Favoriten und ja, so etwas gibt es wirklich. Menschen mit geschmacklich allzu empfindsamen Sinnen bitte jetzt wegschauen.
Eine riesige Sammlung solcher Plakate gibt es hier zu finden; viel Spaß beim Stöbern! Und da der Film Reefer Madness meine ganz besondere Aufmerksamkeit erregt hat, habe ich ihn auch gleich noch gesucht und gefunden. Das programmatische Anticannabiswerk aus dem Jahre 1936 stellt den kläglich gescheiterten Versuch eines Aufklärungsfilms dar und wird auf Wiki wie folgt zusammengefasst: “Der Film erzählt die tragische Geschichte von braven High-School-Schülern, die nach dem Genuss von Cannabis vergewaltigen, sich umbringen und dem Wahnsinn verfallen.” – Ein Spaß für die ganze Familie!
Update
Vorhin hat mich Robert (Vielen Dank!) noch auf einen anderen wichtigen Aufklärungsfilm der Epoche aufmerksam gemacht: Sex Madness / 1938 / Dwain Esper.
Dieses großartige Werk möchte ich euch nun nicht vorenthalten, denn ein jeder soll natürlich auch vor den Gefahren des Geschlechtsverkehrs gewarnt sein, oder, wie Robert es in seiner Mail an mich ausdrückte: “Danach wirst du verstehen, daß sexuelle Lust etwas hochgradig Verwerfliches ist und eine größere Gefahr für die freie Welt darstellt, als es sämtliche Armeen, Rüstungskonzerne, die Wall Street, Lobbyisten, Karrieristen, politische Parteien, Finanzämter etc. jemals sein könnten.” Viel Spaß!
Quiz
Wer kann mir alle Film- bzw. Serientitel zu den am linken Rand im Filmstreifen zu sehenden Bildern nennen? Hier nochmal die Bilder:
[Galerie nicht gefunden]Der Erste, der alle Titel richtig im Kommentarfeld angibt, wird mit einem meiner Lieblingstrashfilme auf DVD belohnt: Dinosaur Island
Die Geschichte ist schnell erzählt. Eine kleine Einheit Marines, bestehend aus drei in Ungnade gefallenen Soldaten und ihren Vorgesetzten, befindet sich im Flug über einen beliebigen Ozean. Die drei jungen, zumeist am Geschehen völlig desinteressierten Soldaten, sollen in irgendein Militärgefängnis überstellt werden, um dort eine disziplinarische Strafe zu verbüßen. Aus nicht näher geklärten Gründen stürzt das Flugzeug ab (phantastisch im Film durch Zoom auf das Wasser und einem Scheppern im off in Szene gesetzt) und die Mannschaft landet auf einer bis dato unentdeckten Insel. In der nächsten Szene sehen wir die Protagonisten (völlig trocken und perfekt frisiert) ihr Rettungsboot an den Strand ziehen und sich der Situation mittels strenger Reflexion gewahr werden. Im Rettungsboot liegt ein Veletzter (kein Mensch weiß, wo der plötzlich herkommt), und – auch ganz toll – er ist angeschossen. Doch wir wundern uns nicht, bekanntlich ist ja die häufigste Ursache bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen ein sauberer Schuss mitten ins Herz. Jetzt stecken die Marines echt in der Scheiße. Verloren auf einer einsamen Insel, Funkgerät im Eimer, Lebensmittel knapp, aber – Gott sei Dank – bis an die Zähne bewaffnet. Und das ist auch nötig, denn so unbewohnt ist die Insel gar nicht, was unseren absurden Helden nun sehr nachdrücklich bewusst wird, als ein Dinosaurier des Weges kommt und ihren sterbenden Kameraden einfach verspeist. Die Jungs feuern aus allen Rohren (ca. drei Minuten lang in einer Einstellung), jedoch ohne dem Biest sichtlichen Schaden zuzufügen. Doch die Rettung naht. Beherrscht wird die Insel nämlich von einem Stamm heißer, nur sehr spärlich gekleideter, jungfräulicher Amazonen, die unsere Marines unter ihre Fitiche nehmen.
Gemeinsames Merkmal aller Stammesangehörigen ist übrigens, dass sie echt große Brüste haben und sich bei jeder Gelegenheit die Klamotten vom Leib reißen – yeahh, eine Offenbarung für den Zuschauer. Für unsere Marines im Übrigen auch, die von da an nur noch dement lächelnd durch den Film stolpern. Doch wie können sie den begehrten Jungfern wohl die Freuden der Lust am anderen Geschlecht näher bringen, wenn diese doch Wilde und zudem dem Mannesvolke gar nicht vertraut sind. Auch hierfür wussten die schlauen Drehbuchschreiber ein Lösung: Die Amazonen bestechen durch perfektes Englisch, das sie einst von Missionaren lernten. Die Jungs noch verwirrt von so viel Zufall, werden dann auch noch mit dem Umstand konfrontiert, dass sie Götter seien, was ihnen die schnukkelige Pornoschamaninen anhand der heiligen Prophezeiung erklärt. Denn einer der Jungs trägt das Zeichen, das geheiligte Zeichen, einen auf den Oberarm tätowierten Smily, der gleiche, der auch das Ende der heiligen Prophezeiung schmückt.
Voller Glück weihen die Soldaten unseren liebgewonnenen, jederzeit ganzkörpereingeölten Amazonenstamm mit Bikiniabdrücken im Gegenzug nun in ihre heilige Schrift ein, mit der Bitte, selbige auswendig zu lernen: Einem Sexmagazin. Anschließende Wissenabfrage zieht sich nahtlos durch den Film. Ein paar erotische Wasserspiele, diverse Stelldicheins, erschossene wie explodierte Dinosaurier und ein stamminterner Bitchfight (großartig wie die eine schreiend der anderen, ebenfalls schreiend, an die Brüste greift und diese knetet – eine Kampfmethode, die mir unter Frauen völlig neu war) um die Voherrschaft später, wird zu guter Letzt noch geheiratet – klar, was auch sonst. Auch der alte Offizier kriegt eine ab und alle leben glücklich auf der Dinoinsel, bis der Film abspannlos endet.
Na wenn das kein Anreiz ist…
Warum es den sog. Antikriegsfilm nicht gibt
Da ich in nächster Zeit über Kriegsfilme schreiben und diese im Kontext ideologischer Gewaltdarstellung untersuchen werde, möchte ich zunächst eine kurze Einführung in Form zweier Artikel geben, auf deren Basis weitere Auseinandersetzungen mit diesem Genre verständlicher werden. Die Artikel sind meiner Magisterarbeit entnommen und haben auch dort die Funktion einer Einführung.
Das Genre des sog. Antikriegfilm existiert nicht. Dies lässt sich aus der Beobachtung schließen, dass der Antikriegsfilm sich selbst als aufklärerisches Genre begreift und dabei dem selbst auferlegten Diktum folgt, Krieg als Barbarei darzustellen. Antikriegsfilme wollen also eine moralische Instanz einnehmen und dem Zuschauer warnend vermitteln, dass Krieg verabscheuungswürdig und unter allen Umständen zu vermeiden sei. Und dies soll dadurch erreicht werden, indem fortwährend die abscheulichsten Bilder von Kriegen produziert werden[1], eingebettet in Geschichten, die nach den konventionellen Erzählmustern der Filmindustrie funktionieren. An diesem Punkt führt sich der Antikriegsfilm selbst ad absurdum, wenn „er das Grausame beklagt und dafür unentwegt Bilder des Grausamen zeigt”[2]. Gerade der Krieg bietet sich, als anarchischer Raum in Vollendung, zur Produktion höchst ästhetischer Gewaltbilder an, die dem Zuschauer den gleichen visuellen Reiz bieten sollen, wie die spektakulären Showdowns im Actionfilm. Nur dass sich in diesem amoralischen Raum die Ästhetisierung und damit der Schauwert in ihr Extrem steigern. In diesem Szenario werden dann noch die gleichen seriell produzierten, konventionellen Heldengeschichten erzählt, die das typische Erzählkino ausmachen. Die variierenden Schauplätze des Kriegfilms dienen also als Folie der Faszination, da sich auf dieser Strategie, Körperästhetik, Heldentum, Kameradschaft und vor allem das Sterben exemplarisch darstellen lassen, „woraus seine Eignung für das Melodram, das Heldenspektakel, opulente Bildästhetik, sowie die Emotionen Rührung und Mitgefühl resultieren”[3]. Der Krieg als Situation, als Raum einer filmisch erzählten Geschichte, eignet sich wie kein zweiter, um mit klaren ideologischen Demarkationslinien zu arbeiten, wie Gut und Böse, Schuld und Unschuld oder Täter und Opfer, die die dargestellte Gewalt rechtfertigen sollen. Ein Spezifikum des Antikriegsfilms ist überhaupt die grundlegende Tatsache, dass in ihm Gewalt in erster Instanz überhaupt nicht mehr gerechtfertigt werden muss, da sie im Kern schon vorliegt: Kriegschauplätze sind Schauplätze der Gewalt, der Kriegsfilm rechtfertigt seine Gewaltdarstellungen per se, aus seiner eigenen Grundkonstitution heraus. Mit der Wahl des filmischen Erzählraums Krieg ist die dargestellte Gewalt schon im Voraus gerechtfertigt, da Krieg zunächst nichts anderes als Gewalt ist. Allein diese aller Moral entbehrende Strategie macht deutlich, warum es den sog. Antikriegfilm nicht geben kann, da „Kriegfilme das ausbeuten, was sie sichtbar machen – gerade wenn sie behaupten, gegen das zu sein, wofür sie so mühevoll ihre Bilder arrangieren, denn schon während sie die Gewalt anprangern, huldigen sie ihr zugleich. Auch wenn sie noch so strikt gegen den Krieg argumentieren, feiern sie zugleich seine Mittel”[4]. Der Kriegfilm (der programmatische Präfix anti- wird im Folgenden weggelassen) ist zudem in seiner Herstellung äußerst kostspielig und steht somit unter der Zielsetzung wirtschaftlicher Rentabilität. Er muss unterhaltend sein, wenn er die Produktionskosten wieder einspielen soll. Die Ästhetisierung der Barbarei sorgt für den nötigen Schauwert, der das Publikum in die Kinosäle locken soll. Also wird die Barbarei zur Unterhaltung stilisiert, woran die grundlegende Verfehlung des eigenen aufklärerischen Diktums deutlich wird: was im moralischen Sinne belehren soll, kann nicht unterhaltsam sein. Das Genre bedient sich im Wesentlichen der gleichen Erzählmuster wie der Actionfilm, konstituiert sich aus den gleichen wirtschaftlichen Vorgaben und wendet die gleichen ideologischen, melodramatischen oder mythischen Milderungs- und Abschwächungsmechanismen an, durch die auch die Gewalt im konventionellen Actionfilm für den Zuschauer berieselnd – genussvoll aufbereitet wird. Der Krieg wird hier nicht zum Gegenstand der Kritik erhoben, sondern dient der extremsten Gewaltdarstellung zum Selbstzweck. Insofern „sind und bleiben Kriegsfilme die Bastarde des Kinos”[5].
[1] „Sie (Kriegsfilme) beschwörend den Himmel und beschreiben die Hölle”. Norbert Grob, Akt der Gewalt, Zur Faszination von Schrecken und Gewalt im Kino, in: Marcus Stiglegger (Hrsg.), Kino der Extreme, Kulturanalytische Studien, St. Augustin 2002, S. 172.
[2] Ebenda, S. 172.
[3] Thomas Klein, Der inszenierte Krieg, Emir Kusturicas Underground, in: Marcus Stiglegger (Hrsg.), Kino der Extreme, Kulturanalytische Studien, St. Augustin 2002, S. 227.
[4] Grob, Akt der Gewalt, S. 172.
[5] Ebenda, S. 172.
Synecdoche by Charlie Kaufman
Bald ist es wieder so weit, ein neues Drehbuch von Charlie Kaufman ist da, einem der besten lebenden Drehbuchautoren überhaupt, vielleicht sogar der Beste. Diesmal sitzt er auch noch höchstpersönlich auf dem Regiestuhl und gibt sein Debüt. Und da alle Filme, zu denen Kaufman das Drehbuch lieferte, einfach grandios sind, hier auch noch die übrigen Trailer. Wer sich persönlich von dessen Schreibkunst überzeugen mag, dem sei das Drehbuch zu Adaptation ganz besonders ans Herz gelegt.
Synecdoche / 2008 / Charlie Kaufman
Eternal Sunshine of the Spotless Mind / 2004 / Michel Gondry
Adaptation / 2002 / Spike Jonze
Confessions of a Dangerous Mind / 2002 / George Cloony
Human Nature / 2001 / Michel Gondry
Being John Malkovich / 1999 / Spike Jonze
Der Tag, an dem die Erde stillstand (oder sich nur noch minimal bewegte)
Das nächste Video mit dem unprätentiösen Titel Autumn Story ist ein Musikclip der Firekites, realisiert durch Lucinda Schreiber und Yanni Kronenberg. Das Video ist tatsächlich aus Einzelbildern montiert (1.900 wurden laut Schreiber gefilmt) und das Ergebnis ist wirklich phantastisch. Kreidestriche auf der Schiefertafel machen sich selbständig – was für ein schöner Anachronismus.
Und zum Schluss folgen noch zwei Videos des großartigen Chris Cunningham, dessen zum Teil atemberaubende Werbespots und besonders Musikvideos immer wieder ein wahrer Augenschmaus sind. Hier wird wieder einmal unter Beweis gestellt, dass ein Film, egal welchem Genre zugehörig, den Zuschauer am ehesten packt, wenn dieser eine Geschichte erzählt.
Wer ein wenig Zeit in den kommenden Tagen amüsiert verschwenden will, der sollte schnell hier klicken.








