Archiv für die Kategorie „Allgemeines“

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Wahltrash

Ich finde Wahlwerbespots eigentlich immer beschissen. Schlechte Kameraführung, schlechter Schnitt, miserable Dramaturgie (wenn es überhaupt eine gibt) und vom Inhalt möchte ich lieber schweigen. Was sich dieses Jahr allerdings entwickelt hat, setzt dem Ganzen die Kone auf: Spots, die nicht mehr für oder gegen ein bestimmte Partei werben, sondern zum Wählen an sich, also zur reinen Tätigkeit auffordern oder nahe legen, diese zu unterlassen: Geh hin, geh nicht hin, geh wählen, lass es sein und so weiter. Was für eine selten bescheuerte Mode. Hier ein kleiner Überblick über neuere und ältere Ästhetikverbrechen.

Ach geht doch weg!


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Sammelsurium

Zurecht hat mich gerade ein Freund von mir darauf hingewiesen, man müsse ja nicht immer nur Filmanalysen schreiben und versuchen, die Welt neu zu erfinden. Darum eine kleine Sammlung von Zeug rund um Filme, mit der man schon mal einen Nachmittag verschwenden kann.

Zunächst ein paar Trailer:


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Zombieland und Lesbian Vampire Killers, die Namen sind Programm, beide in feinster Shaun-of-the-Dead-Manier. Was gibt es schöneres als gut gemachte Trash-Groteske? Oder wie es im Trailer zu LVK heißt: What more could you possibly want in a movie? Dieser hat auch eine wirklich unterhaltende Website, graphisch hervorragend umgesetzt:

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Dann ein Video über die Entwicklung der Spezialeffekte im Film anhand ausgewählter Szenen. Schon zehn mal gesehen und ich könnte es immer wieder schauen. Und, kennt ihr alle Filme?


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Loriot hat endlich seinen eigenen youtube channel; wurde auch Zeit!

Und weil wir gerade dabei sind: Loriots Eheberatung schlicht und höchst kreativ animiert – einer meiner absoluten Lieblingssketche.

Ninjai – The little Ninja ist eine Flash-Serie um einen unerschrockenen kleinen Kämpfer, dessen bester Freund ein Vögelchen ist. Die Serie besticht durch unglaublich stimmungsvolle Bilder und Musik, sinnsuchende Introspektiven und jede Menge Brutalität, alles in sehr ruhigem Erzählstil und minimalistischer Bildsprache gehalten. Zwölf Folgen sind fertig, an weiteren wird laut Entwickler gearbeitet. Hoffentlich ist es bald so weit, ich warte schon lange auf die Fortsetzung der Geschichte.

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Ich habe es bereits getwittert, nochmal an dieser Stelle: Es wird einen neuen Rambo geben. Obwohl Sly seine beiden großen Reihen (Rocky und Rambo) zu Ende bringen wollte, konnte er es wohl nicht lassen, noch mal den beinahe greisen Vietnamveteran auszupacken und auf die Jagd nach einem mutierten Supervieh zu gehen, wobei er gewohntes Terrain verlässt und sich dem Sci-Fi-Genre annähert. Rambo auf Katzenjagd – ich bin gespannt, ob er es schafft, seinen eigenen Total-Kills-Rekord vom Vorgänger zu brechen:

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Und zuletzt noch ein Quiz. Hier kann man Filme anhand von Posterausschnitten raten. Nach 101 Filmen wird gesucht, ich bin auf 71 gekommen (mit etwas mehr Mühe vielleicht auf 81). Wieviel schafft ihr?

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Nachgeschlagen: Der Bastard Zuschauer

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Actually Werner, we’re all tickled ya said that. Frankly, watchin Donny beat Nazi’s to death, is the closest we ever get to goin to the movies.

Nach dieser Ankündigung zoomt die Kamera in das Dunkel der Grotte, Heimat kollektiver Urängste, Sinnbild aller Alpträume – der Horror lauert stets im Verborgenen – und die Zuschauer erwarten wie die Basterds das Heraustreten des jüdischen Racheengels Donny, begleitet von dumpf widerhallenden Keulenschlägen gegen die Wände, eine infernalisch monotone Symphonie nahender Vergeltung. Nahezu liebevoll väterlich streichelt der Bear Jew, der verkehrte Messias, dem Sünder über die Wange, sein Blick ist verklärt, er zögert die Vollstreckung des altbiblischen Diktums noch einen Moment heraus, für ihn, für die Seinen und nicht zuletzt für den Zuschauer. Danach saust die Keule wieder und wieder auf den Nazischädel, unter wildem Gegröle spielt Donny seine ganz eigene Baseballpartie mit dem Opfer. Die Grausamkeit des Dargestellten wird in einem surrealen und äußerst satirischen, jungenhaften Spieltrieb aufgelöst, juchzend und schreiend vor Freude platzt unter den Schlägen der Kopf und der zum Kind mutierte Donny lässt sich von seinen Zuschauern, von uns, feiern. Sie wollten das gerade nicht sehen – warum haben Sie dann die Kinokarte gekauft? Das Prinzip ist einfach und Tarantino macht in aller Deutlichkeit seinen Standpunkt bezüglich cineastischer Gewalt klar: Du schaust meinen Film, du bekommst, was du bezahlt hast. Der Regisseur hat seine Zuschauer nie dezidierter auf die eigenen Sehgewohnheiten zurückgeworfen. Er treibt sein Kinderspiel am Ende des Films noch einmal auf den Höhepunkt, in dem er den Stolz der Nation den Flammen überlässt, wie die Zuschauer im Film, die verbrennen, explodieren und dabei noch – nur um sicher zu gehen – im Kugelhagel hingerichtet werden. Gereinigt, ohne schlechtes Gewissen und beschwingt von der Katharsis des eigenen Überlebens verlässt der Kinobesucher dann den Raum, um später mit Bekannten und Freunden die alte Laier des Darf-man-das-denn-so-darstellen? anzustimmen. Der Regisseur hingegen “aber sucht das Leben in den Zeichen, er macht uns begreiflich, daß wir dem Todestrieb schon aufgesessen sind, wenn wir unseren Leinwandsadismus entschuldigen: es ist ja nur Kino.[1] Oder um es mit Lt. Aldo’s Worten zu sagen:

You know somethin Uitivich, I think this just might be my masterpiece.

Ab hier übernimmt dann Herr Seeßlen.

[1] Georg Seeßlen, When Quentin met Leni, Dekonstruktion eines Dekonstruktivisten im Müllfilmland – anläßlich von Tarantinos Inglorius Basterds, in: konkret 9/2009

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Shockvertising oder Gewaltvisualisierung im öffentlichen Raum

Das sog. Shockvertising ist eine Form der Werbung, die darauf abzielt, durch besonders anstößige Inhalte die Rezeptionsgitter der Betrachter zu durchbrechen und somit eine Marke, eine Idee, eine Botschaft ins Bewußtsein zu rücken. Einfach ausgedrückt, es geht um die Auffälligkeit des Beworbenen. Dabei hat die Werbung selbst in ihrem Gehalt oft nichts mit dem beworbenen Produkt oder der Marke zu tun. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist die Benettonkampagne. Auffälligkeit im kaum zu überblickenden Werbedschungel wird zuvorderst durch Normbrechung evoziert, was wiederum mit der Abkehr von gängigen Moralvorstellungen einhergeht; diese normdiametrale Kommunikationsstrategie sorgt dann für einen Schock. Die schockerzeugenden Motive (beliebt sind Stereotypen) setzen, damit diese auch funktionieren, auf gesellschaftliche Codes auf, in diesem Fall eben auf die gängigen oder kollektiven Moralvorstellungen. Da normative moralische Vorstellungswelten in verschiedenen Kulturkreisen verschieden besetzt sind, müssen diese als Grundlage zunächst festgestellt werden. Auf dieser Grundlage kann daraufhin ein diametrales Muster abgeleitet werden. Für den westlich (christlich) kapitalistischen Lebens- und Kulturkreis bedeutet dies vorrangig Schockerzeugung durch Sex und Gewalt.

Bei den folgenden Beispielen, über die ich in den letzten Monaten gestolpert bin, handelt es sich um verschiedene Medien (Werbespot, Plakat, Reklametafel, Anzeige, Magazin), formal handelt es sich jedoch um zwei Gruppen, Bewegtbild und Druckerzeugnis (und ein Zwitter). Bis auf das Deutsch Magazin, welches konkrete Eigenwerbung betreibt (also Produktwerbung) geht es thematisch vor allem um Gefahrenaufklärung (Straßenverkehr und Aids), Tierschutz und soziale Missstände. Sprich, es werden keine konkreten Produkte beworben, sondern auf Situationen bzw. Dynamiken aufmerksam gemacht. Verbindendes Element ist, dass alle aufgeführten Werbungen sich den Sujets Gewalt und Sex bedienen, um ihre Botschaft zu verbreiten.

Die ersten drei Beispiele machen auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam. Erstes ist eine Reklametafel, die uns ein zartes Kindergesicht präsentiert, das bei Regen zu bluten beginnt. Sinn des Ganzen ist auf die erhöhte Unfallgefahr bei einsetzendem Regen aufmerksam zu machen. Hintergrund sind die spezifischen Klima- bzw.Wetterverhältnisse Neuseelands, das mit einer ansteigenden Zahl an Todesopfern im Straßenverkehr bei saisonalen Regenfällen zu kämpfen hat.


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Die nächsten beiden Beispiele setzen sich thematisch ebenfalls mit dem Straßenverkehr auseinander. Eine Kampagne, die uns aus nahezu allen Ländern der westlichen Hemisphäre bekannt sein dürfte: Die Gefahren des Alkoholkonsums am Steuer. Erstes Beispiel ist ein Fernsehwerbespot, der auf hochdramatische Erzählweise setzt und sich formal an der konventionellen Spielfilmästhetik orientiert. Eine persönliche Note vorab: Ich halte den Spot für Mißlungen, da er eben aufgrund der Spielfilmästhetik zu schnell einen Redundanzfaktor erhält, der den Schock reduziert bzw. verhindert. Auf mich wirkt dieser sogar unfreiwillig komisch. Aber dazu später mehr. Der Printanzeige, die ihren Schockgehalt mittels der Visualisierung eines Vorher-Nachher-Modells zu evozieren versucht, ist ein äußerst unangenehmer Subtext inhärent. Nämlich die Frage, ob das hier abgebildete Opfer nicht besser hätte sterben sollen, als sein Dasein entstellt weiter zu führen und damit die generelle Frage nach lebenswertem Leben. Verbindendes Element bei allen Dreien ist die Opferperspektive, aus der erzählt wird.


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Beim dem nächsten Beispiel handelt es sich wieder um einen Spot, den ich aufgrund seiner Drastik hier nicht aufführe, sondern verlinke (Video nach dem Klick). Aufmerksam gemacht werden soll auf die Grausamkeit der fischverarbeitenden Industrie, die ihre Beute lebendig häuten und die Organe unter Missachtung der Tatsache, dass diese während der Prozedur Schmerz empfindet, entfernen. Der Schockgehalt wird hier durch die Übertragung der Prozedur auf den Menschen hervorgerufen, in Form eines Ebenensprungs. Eigentlich soll es dem Zuschauer hier ermöglicht werden, sich durch den Blick von Außen mit dem Dargestellten zu identifizieren. Der Zuschauer wird bewusst versetzt, also zunächst aus der Geschichte gedrängt, so dass mittels der allegorischen Struktur ihm der wertende Blick auf die conditio humana und damit auf ihn selbst wieder freigestellt wird. Der Spot soll den Zuschauer zur Entwicklung einer Empathie für die Tiere zwingen. Im Fokus steht wiederum die Opferperspektive bzw. die Identifizierung des Zuschauers mit dem Opfer. Die Strategie der Spiegelung oder symbolischen Ersetzung der Tiere durch Menschen (oder vice versa), als Art der Allegorie, ist indes nichts Neues. George Orwells Animal Farm (hier als Spiegelung der menschlich-gesellschaftlichen Verhaltensmuster auf die Tierwelt) oder Peter Jacksons Meet the Feebles sind zwei bekannte Beispiele für diese Erzählstrategie. Wobei es sich bei dem vorliegenden Spot nicht um einen in Gänze vollzogenen Ebenenwechsel handelt (Tiere, die wie Menschen handeln), sondern das im menschlich-gesellschaftlichen Gefüge lediglich ein Mensch (die Striperin) durch einen anderen Menschen (dem Fischer) animalisiert und in ihrer Existenz zur Beute reduziert wird. Phantastisch ist hier der Einbezug der Zuschauerebene. Gleich dem passiven Zuschauer im Spot selbst, der dem Strip, der hier wiederum in seiner Bedeutung den Wortsinn erfüllt, eben das Abziehen der Haut, folgt, folgt der Mensch den Untaten der Fischereiindustrie in passivem Verharren und macht sich dadurch mitschuldig. Konnotation: Ihr alle seht tatenlos zu. Also wird hier lediglich ein partieller Ebenenwechsel vollzogen, entgegen der Ebenenvertauschung, die zum Beispiel das nachstehende Musikvideo von Modest Mouse vollführt. Hier werden Opfer und Täter einfach vertauscht und wir befinden uns in einer Tiergesellschaft, die auf Menschenjagd geht (Erinnerungen an Planet of Apes werden wach). Besonders bemerkenswert an dem Video scheint mir die Konsequenz der Nahrungsmittelverarbeitung am Ende. Die erbeuteten Menschen werden maschinell zu einer undefinierbaren Masse verarbeitet, die dann zwecks Gewöhung in symbolischer Form der nachfolgenden Generation vorgesetzt wird. Eine hervorragende Metapher auf so etwas wie die ‘Bärchenwurst‘ oder im weiteren Sinne Werbemaßnahmen, die Akte animalischer Selbstverzehrung darstellen.


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Kommen wir zum Sex. Bei dem nächsten Beispiel handelt es sich um eine Kampagne für das Deutsch Magazin inszeniert von Jung von Matt. Zunächst gilt festzuhalten, dass die Kampagne als Erfolg zu werten ist. Selbige entfachte Diskussion, Aufregung und Anstoß; einen Schock eben. Wobei hier weniger mit Gewalt, als mit Sex gearbeitet wird. Jedoch mit einer als Abart des Sexuellen visualisierten Spielart: der Sodomie. Wir sehen eine hübsche, junge blonde Frau, die sich lasziv, willig von einem Schäferhund, befriedigen bzw. verführen lässt. Wobei der sodomistische Gehalt des Bildes allein nicht der Motor des Anstoßes ist. Erst die Kombination mit dem nationalen Element, das eben der deutsche Schäferhund die deutsche blonde Frau besteigt (beides enorm starke nationale Symbole), gibt hier den Ausschlag für die Schockwirkung. Obwohl das Printformat eindeutig mit nationalistischen und somit hierzulande begriffen rechten Anspielungen kokettiert, ist der Werbung hier auch ein dekonstruktivistisches Element inhärent. Die Frau ist aufgrund ihrer Handlung eine läufige Hündin, eine Konnotation, die entgegen aller nationalen Tugend die Aufgabe des Stolzes und der Sittenhaftigkeit kommuniziert. Sprich, ebenso sehr national gesinnte Geister wie auch die konservativen Sittenwächter dürften ihre Probleme mit dem Dargestellten haben, gläubige Menschen ebenso wie Feministinnen. Und links-ideologische Naturen allein schon aufgrund des Titels. In einer Bildgesellschaft wie der unseren, in der man allzu oft das Gefühl hat, man habe alles schon gesehen, halte ich dieses Motiv für äußerst gelungen, da es die Anzeige darauf anlegt, auf den ersten Blick gleich eine Vielzahl verschiedener Personengruppen zu schockieren, obwohl das Arrangement denkbar einfach ist, eine Kombination gängiger Stereotypen. Mein Kompliment! Ein Schäferhund der einen nackten blonden deutschen Mann (am besten einen Bayer) von hinten besteigt fehlt zwar, aber das ist nur eine kleiner Abzug, da dies eigentlich auch fehlen muss. Sonst fehlte die sexistische Komponente.

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Den folgenden beiden Motiven einer Printkampagne gegen Aids liegt diese Gleichberechtigung wieder zu Grunde. Auch hier wird ein sodomistischer Akt dargestellt, nur das dieser klar in die Sphäre des Unmöglichen verortet werden kann, da die dargestellten Tiere absurde Größen angenommen haben. Die Klammer zu den eingangs besprochenen Werken schließt sich ebenfalls, da hier wiederum ein Ebenentausch vorliegt: Zu überdimensionalen Ausmaßen mutierte, tödlich-giftige Insekten werden an Stelle des tatsächlichen Sexualpartners gesetzt. Eine plastische und einfach konstruierte Metapher, die einer Enttarnung dienen soll: ‘Ohne Präservativschutz hat man keinen Sex mit einem Menschen, sondern in Wirklichkeit mit einem Tod bringenden Lebewesen, welches dich vergiftet’. Als problematisch kann man hier die Reduktion des erkrankten Menschen auf einen tödlichen Schrecken sehen, dem im Bild zumindest unterstellt werden darf, dass dieser aus Vorsatz handelt. Unterm Strich haben wir es hier mit einer Schockwirkung basierend aus einer Kombination zwischen Sodomie (wenn auch nur surreal) Gewalt und Sex zu tun.

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Abschließend bleibt ein kritischer Punkt offen: Funktioniert Shockvertising überhaupt? Im Sinne der Werbemaschinerie, die immer wieder auf das Motto ‘Wenn darüber gesprochen wird, hat es seine Wirkung getan’ reduziert werden kann, sicher ja. Im Sinne der Botschaft herrscht Ungewissheit. Um noch einmal die primäre Kritik am Kriegsfilm, die zu zitieren ich auch nicht müde werde, aufzugreifen, dass sich der Antikriegsfilm selbst ad absurdum führt, wenn „er das Grausame beklagt und dafür unentwegt Bilder des Grausamen zeigt”[1], so glaube ich, dass sich eben dieser Satz auch auf den Mechanismus des Shockvertising übertragen lässt. Das Schreckliche, Grausame, Entstellte, Gewalttätige, Brutale und Perverse wird ausgestellt und beschworen, um davor zu warnen. Damit unterliegt die Bildstrategie der gleichen Dynamik wie ein gewalttätiger Film, der mittels Gewaltdarstellung das Dargestellte kritisieren möchte (gilt hier nicht für das Deutschmagazin, da hier kein kritischer Impetus, im Sinne von zu kritisierenden Strukturen oder Missstände, primär intendiert ist). Am Beispiel des zweiten Clips, dem Autounfall der beiden jungen Männer, ist dies einfach zu belegen. Der Clip ist von der Dramaturgie, Stilistik und Kameraführung dem klassischen Spielfilm entlehnt. Wir haben diese Szenen hunderte Male, wenn nicht tausende Male zuvor gesehen, was dazu führt, dass von dem zu kritisierenden Umstand, der mittels tiefer Erschütterungen in unsere Rezeption gehämmert werden soll, maximal eine abgeschmackte Langweile ob des Redundanzcharakters des Dargestellten zum Einen und vielleicht noch die kribbelnde Genugtuung des einer Geisterbahnfahrt ähnlichen schönen Schocks zum Anderen übrig bleibt. In diesem Punkt bin ich unnachgiebig und zweifle das Funktionieren des Shockvertising in Hinblick auf den moralisch-aufklärerischen Gestus generell an. Außerdem wird hier allzu oft eine Opferperspektive vorgegaukelt, die sich nicht den Hauch um Empathie mit dem eigentlichen Opfer bemüht, sondern jenes lediglich im Sinne der Werbung funktionalisiert. Dies ist aber nur eine moralische Wertung. Und ja, man könnte annehmen, dass gerade dies der Hintergedanke ist, um den Schock zu evozieren. Aber dann würde das Ergebnis lauten: Ich bin von der widerlichen Ausnutzung der Opfersymbolik seitens der Werbung schockiert – nicht aber von dem Umstand brutaler Mechanismen innerhalb der Nahrungsmittel produzierenden Industrie, betrunkenen Fahrens oder ungeschützten Geschlechtsverkehrs.

Eine Konstante lässt sich hingegen definitiv ableiten und das ist das alte Dünkel: So lange Gewaltdarstellung ernst, aufklärerisch und kritisch betrieben wird, ist dies legitim, wenn sie berauschend, humorvoll oder als Unterhaltung präsentiert wird, nicht. Shockvertising ist allerdings in nuce nichts anderes als Unterhaltung, der brennende Dornenbusch im sorgsam gepflegten Garten Eden der Werbeindustrie.

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[1] Norbert Grob, Akt der Gewalt, Zur Faszination von Schrecken und Gewalt im Kino, in: Marcus Stiglegger (Hrsg.), Kino der Extreme, Kulturanalytische Studien, St. Augustin 2002, S. 172.

siehe auch:

Warum es den sog. Antikriegsfilm nicht gibt

Werbung, Gewalt und Subtext

Großes Dankeschön an die Werbeblogger für hervorragende Recherchen und Beiträge.

Die nächsten beiden Beispiele setzen sich thematisch ebenfalls mit dem Straßenverkehr auseinander. Eine Kampagne, die uns aus nahezu allen Ländern der westlichen Hemisphäre bekannt sein dürfte: Die Gefahren des Alkoholkonsums am Steuer. Erstes Beispiel ist ein Fernsehwerbespot, der auf hochdramatische Erzählweise setzt und sich formal an der konventionellen Spielfilmästhetik orientiert. Eine persönliche Note vorab: Ich halte den Spot für Mißlungen, da er eben aufgrund der Spielfilmästhetik zu schnell einen Redundanzfaktor erhält, der den Schock reduziert bzw. verhindert. Auf mich wirkt dieser sogar unfreiwillig komisch. Aber dazu später mehr. Der Printanzeige, die ihren Schockgehalt mittels der Visualisierung eines Vorher-Nachher-Modells zu evozieren versucht, ist ein äußerst unangenehmer Subtext inhärent. Nämlich die Frage, ob das hier abgebildete Opfer nicht besser hätte sterben sollen, als sein Dasein entstellt weiter zu führen und damit die generelle Frage nach lebenswertem Leben.

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Netz am Werk

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GHOSTOFTHEMOVIE ist mit verschiedenen Netz-Diensten verknüpft, wovon  jedem eine bestimmte, sinnvolle Funktion zufällt. Ich erwähne dies nur, da man häufig das Gefühl des Netzwerkens um des Netzwerkens Willen hat, und der tatsächlcihe Nutzen verschiedener Dienste nicht erkennbar scheint. GHOSTOFTHEMOVIE nutzt folgende Dienste:

twitter — In meinen tweets wird alles verlinkt, was ich im Netz Interessantes, Skurriles, Humorvolles oder einfach Wissenswertes über Film und angrenzende Medien finde. Selbverständlich werden auch die Links auf die neuesten Beiträge des Blogs selbst “getwittert”.

flickr — Hier gibt es meine Photos (die nicht direkt mit Film zu tun haben) und einen Teil der für den Blog angefertigten Graphiken.

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Bibsonomy — Empfehle ich immer gerne! Dies läuft unter der Bezeichnung “Social Bookmarks” und dient der Verwaltung der eigenen Lesezeichen. Wem die Lesezeichenfunktion des Browsers zu unübersichtlich ist, sollte dringend auf dieses System (oder ähnliche) zurück greifen. Besonders die intgrierte Suchfunktion und die Verschlagwortung der Links sind Gold wert. Diese ermöglichen es nämlich eine eigene Semantik aufzubauen. Außerdem können die Lesezeichen ausgetauscht werden. Wer also Interesse hat zu lesen, was ich an Aufsätzen, Abhandlungen, Artikel etc. konsumiere, ist herzlich eingeladen, sich meine Bibsonomy-Seite anzuschauen.

Nochmal: Es ist nicht daran gelegen wild alle Dienste zu nutzen. Es sollte immer nach Funktion und persönlichem Vorteil selektiert werden. Jeder hat seinen Anspruch oder,  wie wir es innerhalb der Agentur nennen, Leidensdruck. Dieser sollte die Auswahl an Diensten bestimmen, die aktiv genutzt werden. In meinem Fall wäre das vor allem Austausch und Information über Film, Kunst und Kultur.

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