Archiv für die Kategorie „Allgemeines“

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Winded, and shaken, and shamed*

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Eine lange Einleitung bleibt dem Zuschauer erspart, es geht medias in res. Wir sehen die Slums von Johannesburg, wir sehen Brutalität, Unterdrückung, Rassismus, Militarismus und Internierung. Wir sehen eine sich im Lager der Sonderlinge heran bildende Subkultur. Und dann sehen wir einen netten, sympathisch unbeholfenen Bürokraten guten Willens, der die Uminternierung der Sonderlinge in ein kostengünstigeres Lager leiten soll. Der pure Zufall will es, dass er zu einem der Ihren wird. Er lernt Brutalität, Unterdrückung, Rassismus, Militarismus und Internierung kennen, wird gefoltert und zu grausamen Experimenten missbraucht – von den eigenen Leuten, besonders seinem Schwiegervater, wohlgemerkt. Bis zuletzt kämpft er und gibt nicht auf doch noch zu seiner Familie zurückkehren zu können. Die zwei kitschigen letzten Einstellungen verweisen auf einen möglichen zweiten Teil.

District 9 ist angelegt als Mediencollage. Die Geschichte wird in einem Verschnitt aus Fernsehinterviews, Reportageelementen, Nachrichtenfragmenten, Dokumentarmateriel und privaten Aufnahmen erzählt, die Handlung mittels Sprungraffung enorm schnell nach vorne getrieben. Die lineare Erzählung wird immer wieder durch die Interviews und Statements der Fernseh- und Reportageelemente durchbrochen, es werden Zustände geschildert, die zeitlich vor oder nach der Kernhandlung liegen. Das wirkt einerseits verwirrend, andererseits gewinnt die Geschichte dadurch an Komplexität und Tiefe. Der Film kommt als Flickenteppich daher. Neue Löcher werden in die Erzählstruktur gerissen, alte werden gestopft. So ergibt sich allmählich, Fetzen für Fetzen, ein Gesamtbild.

Außerdem erhält der Film durch die harte, sprunghafte Struktur sehr viel Kraft und wirkt gerade in Kombination mit der dargestellten triebhaften und psychischen Brutalität und dem dokumentarischen Charakter der Bilder auf den Zuschauer nahezu selbst brutal. Die erste Hälfte des Films ist hervorragend und außergewöhnlich – nichts weniger als ein Meisterwerk des Science Fiction-Films. Im Setting eines nahen dystopischen Weltentwurfs, wird die Dystopie des Heutigen entlarvt. Der Film ist eine Allegorie, die Außerirdischen werden als Lebewesen, als das in Sprache, Aussehen und Verhalten Fremde dargestellt, ersetzbar durch jedes andere geknechtete, unterdrückte, zur Vernichtung bestimmte Kollektiv. Sie dienen als Folie auf der die Greueltaten an Ethnien vergangener und heutiger Tage verhandelt werden können; Außerirdische in ihrer filmischen Konzeption weniger als fiktives Element denn als Metametapher. Auch hier gibt es Vorbilder aus dem Genre, wie z.B. Enemy Mine. Der Unterschied ist nur, dass dieser Film nicht auf einem erdachten Stern, sondern auf der Erde, in Südafrika spielt, in einer Stadt, die sich offiziell vor gerade mal 20 Jahren vom System der Apartheid löste. Der Mensch ist hier zu jeder Zeit die Bestie und District 9 entpuppt sich als Vexierspiel.

Wie sich der Protagonist durch seine lange, physische Metamorphose quält (Referenzen an The Fly) so wandelt sich auch der Film. Dieser wird allmählich von einem die Medienmechanismen dekonstruierenden und die Verhaltensmuster der Menschen gegenüber dem Fremden spiegelnden Indymelodram zu einer typischen Ballerorgie im Blockbusterstil. Ist dies Formspiel mit tieferem Sinn? Soll es gar bedeuten, dass ein großes Publikum, der Erfolg in Zahlen, nur noch mittels konditionierter Erzählstrategien zu erreichen ist, also Kritik am Blockbustersystem? Handelt es sich vielleicht um ein trojanisches Pferd, in dem sich die Kritik versteckt? Dann wäre hier das Pferd im wahrsten Sinne des Wortes von hinten aufgezäumt. Oder haben die Autoren den Ansatz einfach nicht durchgehalten, wussten nicht die komplizierte Form beizubehalten und die Geschichte gen Ende sinnvoll aufzulösen ohne selbige der Form zu opfern? Ob Schwäche oder Kalkül, der Film hat sich durch seinen Erfolg selbst geadelt und auch wenn hier sehr viel mehr zu holen gewesen wäre, ist er doch mehr als empfehlenswert – man kann auch einfach eine halbe Stunde vor Ende abschalten.

* “You don’t feel bamboozled, fooled, or patronized by District 9, as you did by most of the summer blockbusters. You feel winded, and shaken, and shamed.” Anthony Lane, The New Yorker, September 14, 2009, S. 115.

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Meditative Pause

Das Bild als unendlicher Entstehungs- und Zerstörungsprozeß, als Dynamik des Auf- und Ablebens, im Einklang zu Geburt und Tod, ein sich durch sich selbst eröffnender und wieder verschließender Durchgang, so vergänglich wie Sand, die Geschichten der Menschen, nichts als Sandkörner im Schicksalswind der Zeit, der Zufall heißt und Statik haßt.


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In eigener Sache

Welle

Weil Schreiben / Bloggen so viel Freude macht und ich auch eher zu den Vielschreibern gehöre, hier eine kleine Übersicht,  wo ich außerhalb von GHOSTOFTHEMOVIE noch veröffentliche:

unAUTOdox

(Automagazin)

VisualBlog

(Alles, was das Auge erfreut)

Blogjournalisten

(freier Journalismus)

und

re:zitieren

(Quatsch und Zitate)

ach ja, und wer meine Photos sehen mag, hier ist der

flickr

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Viral Video Award


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Das 25. Internationale Kurzfilmfestival Berlin steht vor der Tür (3. – 8. November 2009) und im Vorfeld läuft gerade der Viral Video Award, wo bereits kräftig abgestimmt werden kann. Die Videos haben mich vom pluralistischen Aspekt her mehr als überrascht. Inhaltlich sind diese teils sehr kritisch ausgerichtet, wenn etwa weltweite Misstände auf schockierende, informative oder ironische Art und Weise aufgearbeitet werden, teils wird aber auch schlichte Produktwerbung betrieben. Die Beiträge variieren in Machart und Länge, es herrscht eine wunderbare Vielfalt  in Form und Stilistik. Besonders gefällt mir die Tatsache, dass sich hier enorm kostengünstige Indyproduktionen mit solchen größerer Firmen und Organisationen mischen. Da die Qualität der Kurzfilme allgemein auf einem sehr hohen Niveau ist, bin ich wirklich auf die Preisverleihung am 6. November gespannt. Hier meine Favoriten:


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Riesen reisen durch Berlin

Der grosse Riese

Die französische Compagnie Royal de Luxe unter der künstlerischen Leitung von Jean Luc Courcoult war zu Gast in Berlin und hat die Stadt mit ihren gigantischen Marionetten verzaubert. Mit 7m und 15m Höhe sind die Figuren, die von der emsigen Künstlertruppe tatsächlich durch die Stadt gepuppenspielt wurden, ein atemberaubender Anblick. Erinnerungen an Being John Malkovich werden wach und eine kindliche Freude darüber, dass es dies tatsächlich gibt. Man kann nur staunen, wie es die Künstler mittels exakter Abstimmung untereinander und durch extreme Einbringung ihrer Muskelkraft verstehen den Figuren Leben einzuflössen. Nachdem die Riesin von ihren Dienern aufgeweckt und angekleidet wurde, bewegte sie sich auf einem künstlichen Schiff durch die Stadt, um später dann tatsächlich auf die Spree verschifft zu werden. Die mehr als doppelt so große Figur des Tauchers wurde sogar per Kran aus der Spree aufgetaucht. Da das Spektakel über den Tag der Deutschen Einheit verlief, wurden aus einer Konfettikanone Kopien alter Postkarten und Briefe ins Publikum geschossen. Diese Schriftstücke, die einst  geschrieben von Kindern zur Zeit des geteilten Deutschlands nie zugestellt wurden, kamen so endlich zu ihrem Recht. Einzeln geborgen aus dem Dunkel der Stasiarchive, vervielfältigt in den Himmel geschossen und dem Wind als Zufallsboten übergeben – eine schöne und zarte Idee.

Die kleine Riesin 02

Ich besuchte die Parade zusammen mit einem französischen Freund, der aus dem Städtchen Nantes kommt, der Heimat von Royal de Luxe. Dort hat er sie schon einmal gesehen und wunderte sich über die extremen Sicherheitsvorkehrungen, da in seiner Heimatstadt während des laufenden Umzugs die Puppen auch berührt werden dürfen und sogar Kinder auf die Marionettenarme gehoben werden. Ein anderer Kollege aus Frankreich war etwas traurig über das Verhalten älterer Zuschauer, die sich vor seine Jüngste schoben und auch nach Bitten die Kleine nicht vorließen. Und wieder einmal musste ich mich ein wenig der hiesigen Kinder(un)freundlichkeit schämen und anerkennen, dass in Deutschland Spaß halt seine Grenzen hat.

Die Riesen

Viel Photomaterial und ein schönes Video, das die Dramaturgie des Riesenumzugs widergibt, findet sich auf VisualBlog.

Postkarten

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