Archiv für September 2009
Wahltrash
Ich finde Wahlwerbespots eigentlich immer beschissen. Schlechte Kameraführung, schlechter Schnitt, miserable Dramaturgie (wenn es überhaupt eine gibt) und vom Inhalt möchte ich lieber schweigen. Was sich dieses Jahr allerdings entwickelt hat, setzt dem Ganzen die Kone auf: Spots, die nicht mehr für oder gegen ein bestimmte Partei werben, sondern zum Wählen an sich, also zur reinen Tätigkeit auffordern oder nahe legen, diese zu unterlassen: Geh hin, geh nicht hin, geh wählen, lass es sein und so weiter. Was für eine selten bescheuerte Mode. Hier ein kleiner Überblick über neuere und ältere Ästhetikverbrechen.
Ach geht doch weg!
Sammelsurium
Zurecht hat mich gerade ein Freund von mir darauf hingewiesen, man müsse ja nicht immer nur Filmanalysen schreiben und versuchen, die Welt neu zu erfinden. Darum eine kleine Sammlung von Zeug rund um Filme, mit der man schon mal einen Nachmittag verschwenden kann.
Zunächst ein paar Trailer:
Zombieland und Lesbian Vampire Killers, die Namen sind Programm, beide in feinster Shaun-of-the-Dead-Manier. Was gibt es schöneres als gut gemachte Trash-Groteske? Oder wie es im Trailer zu LVK heißt: What more could you possibly want in a movie? Dieser hat auch eine wirklich unterhaltende Website, graphisch hervorragend umgesetzt:
Dann ein Video über die Entwicklung der Spezialeffekte im Film anhand ausgewählter Szenen. Schon zehn mal gesehen und ich könnte es immer wieder schauen. Und, kennt ihr alle Filme?
Loriot hat endlich seinen eigenen youtube channel; wurde auch Zeit!
Und weil wir gerade dabei sind: Loriots Eheberatung schlicht und höchst kreativ animiert – einer meiner absoluten Lieblingssketche.
Ninjai – The little Ninja ist eine Flash-Serie um einen unerschrockenen kleinen Kämpfer, dessen bester Freund ein Vögelchen ist. Die Serie besticht durch unglaublich stimmungsvolle Bilder und Musik, sinnsuchende Introspektiven und jede Menge Brutalität, alles in sehr ruhigem Erzählstil und minimalistischer Bildsprache gehalten. Zwölf Folgen sind fertig, an weiteren wird laut Entwickler gearbeitet. Hoffentlich ist es bald so weit, ich warte schon lange auf die Fortsetzung der Geschichte.
Ich habe es bereits getwittert, nochmal an dieser Stelle: Es wird einen neuen Rambo geben. Obwohl Sly seine beiden großen Reihen (Rocky und Rambo) zu Ende bringen wollte, konnte er es wohl nicht lassen, noch mal den beinahe greisen Vietnamveteran auszupacken und auf die Jagd nach einem mutierten Supervieh zu gehen, wobei er gewohntes Terrain verlässt und sich dem Sci-Fi-Genre annähert. Rambo auf Katzenjagd – ich bin gespannt, ob er es schafft, seinen eigenen Total-Kills-Rekord vom Vorgänger zu brechen:
Und zuletzt noch ein Quiz. Hier kann man Filme anhand von Posterausschnitten raten. Nach 101 Filmen wird gesucht, ich bin auf 71 gekommen (mit etwas mehr Mühe vielleicht auf 81). Wieviel schafft ihr?
Nachgeschlagen: Der Bastard Zuschauer
Actually Werner, we’re all tickled ya said that. Frankly, watchin Donny beat Nazi’s to death, is the closest we ever get to goin to the movies.
Nach dieser Ankündigung zoomt die Kamera in das Dunkel der Grotte, Heimat kollektiver Urängste, Sinnbild aller Alpträume – der Horror lauert stets im Verborgenen – und die Zuschauer erwarten wie die Basterds das Heraustreten des jüdischen Racheengels Donny, begleitet von dumpf widerhallenden Keulenschlägen gegen die Wände, eine infernalisch monotone Symphonie nahender Vergeltung. Nahezu liebevoll väterlich streichelt der Bear Jew, der verkehrte Messias, dem Sünder über die Wange, sein Blick ist verklärt, er zögert die Vollstreckung des altbiblischen Diktums noch einen Moment heraus, für ihn, für die Seinen und nicht zuletzt für den Zuschauer. Danach saust die Keule wieder und wieder auf den Nazischädel, unter wildem Gegröle spielt Donny seine ganz eigene Baseballpartie mit dem Opfer. Die Grausamkeit des Dargestellten wird in einem surrealen und äußerst satirischen, jungenhaften Spieltrieb aufgelöst, juchzend und schreiend vor Freude platzt unter den Schlägen der Kopf und der zum Kind mutierte Donny lässt sich von seinen Zuschauern, von uns, feiern. Sie wollten das gerade nicht sehen – warum haben Sie dann die Kinokarte gekauft? Das Prinzip ist einfach und Tarantino macht in aller Deutlichkeit seinen Standpunkt bezüglich cineastischer Gewalt klar: Du schaust meinen Film, du bekommst, was du bezahlt hast. Der Regisseur hat seine Zuschauer nie dezidierter auf die eigenen Sehgewohnheiten zurückgeworfen. Er treibt sein Kinderspiel am Ende des Films noch einmal auf den Höhepunkt, in dem er den Stolz der Nation den Flammen überlässt, wie die Zuschauer im Film, die verbrennen, explodieren und dabei noch – nur um sicher zu gehen – im Kugelhagel hingerichtet werden. Gereinigt, ohne schlechtes Gewissen und beschwingt von der Katharsis des eigenen Überlebens verlässt der Kinobesucher dann den Raum, um später mit Bekannten und Freunden die alte Laier des Darf-man-das-denn-so-darstellen? anzustimmen. Der Regisseur hingegen “aber sucht das Leben in den Zeichen, er macht uns begreiflich, daß wir dem Todestrieb schon aufgesessen sind, wenn wir unseren Leinwandsadismus entschuldigen: es ist ja nur Kino.[1] Oder um es mit Lt. Aldo’s Worten zu sagen:
You know somethin Uitivich, I think this just might be my masterpiece.
Ab hier übernimmt dann Herr Seeßlen.
[1] Georg Seeßlen, When Quentin met Leni, Dekonstruktion eines Dekonstruktivisten im Müllfilmland – anläßlich von Tarantinos Inglorius Basterds, in: konkret 9/2009










