Wahltrash
Ich finde Wahlwerbespots eigentlich immer beschissen. Schlechte Kameraführung, schlechter Schnitt, miserable Dramaturgie (wenn es überhaupt eine gibt) und vom Inhalt möchte ich lieber schweigen. Was sich dieses Jahr allerdings entwickelt hat, setzt dem Ganzen die Kone auf: Spots, die nicht mehr für oder gegen ein bestimmte Partei werben, sondern zum Wählen an sich, also zur reinen Tätigkeit auffordern oder nahe legen, diese zu unterlassen: Geh hin, geh nicht hin, geh wählen, lass es sein und so weiter. Was für eine selten bescheuerte Mode. Hier ein kleiner Überblick über neuere und ältere Ästhetikverbrechen.
Ach geht doch weg!
Oh, der Spot sah auch mal anders aus. Die geistige Tieffliegerprominenz gibt sich doppeldeutig und regt an zur Reflektion. Erschießt den Konzepter!!!
Manchmal kann man gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte.
Sehr gut! Bevor man nämlich überhaupt wählen gehen kann, müssen zunächst bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden; in diesem Fall die Fähigkeit, ein Kreuz zu malen. Diese nachhaltig zu schulen, dazu rufen die TV-Hohlbirne und der unbekannte dicke Mann auf.
Und hier der einzig akzeptable Vorschlag:
Ich halte es da eher mit Erich Mühsam, der es vorzog, sich wenigstens in ganzen Sätzen zu veräußern:
“Revolutionär” nennt sich nun freilich auch die Sozialdemokratie, die Partei, der die Massensugestion, der Wahlakt sei eine heilige Handlung, in erster Linie zu danken ist, und der es [...] niemals beizubringen sein wird, daß die Beteiligung an der Wahl ein Bekenntnis zur bestehenden Staatsordnung in sich schließt und eine im Kern antirevolutionäre Demonstration darstellt.
ps: Wäre ich heute nicht von den laut tönenden Pamphleten aus den Lautsprechern eines Wagens der Linken geweckt worden, hätte ich diesen Beitrag nicht geschrieben. Aber irgendwie ist das hier auch Trashkultur.






