Neuer Trash – Weltraumnazis

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Was wir hier sehen, ist das äußerst gelungene Filmplakat zu Iron Sky, einer Nazi-Science-Fiction-Groteske von Timo Vuorensola, die im Januar 2011 in die finnischen Kinos Einmarsch halten soll. Das Plakat selbst verrät uns schon viel: Die Klauen des stählernen Adlers graben sich kraftvoll, zerstörerisch tief in die Mondoberfläche, hunderte fliegende Untertassen im feinsten Ed-Wood-Design schwirren umher, und eine dreiste Taube hat nichts besseres zu tun, als dem Stahlungetüm aufs strenge Haupt zu kacken. In feinster B-Horrorfilm-Typografie verkündet die Headline eine erschreckende Neuigkeit: Es gibt Nazis auf dem Mond! Verdammt, als hätten wir auf der Erde nicht schon genug davon! Weiter unten wird man dann ermutigend dazu aufgerufen, sich in den Kampf zu begeben und schnell noch eine Hundemarke zu erstehen. Zusammen gefasst also: Mondnazis (echt viele, echt sauer und echt gefährlich) kommen. Verteidigungsstrategie: Marken kaufen, lachen!


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Der Nazi bzw. die Nazis sind fester Bestandteil hunderter Filmarrangements, doch sie wie hier auf den Mond zu verlagern, ist wirklich mal eine erfrischend neue Idee. Besonders gut gefällt mir der Aufgriff des Mythos der sog. Reichsflugscheibe, auch Haunebu genannt. Diese gehört in das Repertoire der Wunderwaffenforschung innerhalb der ‘Nazitechnologie’, ist allerdings an historischen Quellen nicht belegbar. Einzig wird diese in pseudowissenschaftlichen Abhandlungen immer mal wieder erwähnt, ist demnach also in die Sphären der Phantastereien zu verorten. Belegt ist tatsächlich nur die von Arthur Sach entworfene Sack AS-6, die allerdings in einem kläglichen Startversuch 1944 gerade mal knapp vom Boden abgehoben haben soll. Im betreffenden Wikipedia-Artikel wird die erste Erwähnung und Begriffsetablierung der ‘Fliegenden Untertasse’ auf einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1947 datiert (Interview mit dem Piloten Kenneth Arnold), also einige Jahre nach den Naziexperimenten mit derlei Flugobjekten. Haben die Nazis gar das UFO erfunden? War E.T. doch nicht der nette verschrumpelte Außerirdische von nebenan, sondern ein dreister Nazi-Spion? Und welches Licht wirft das auf ALF? Die Antworten zu solch schwer wiegenden Fragen muss ich leider schuldig bleiben.

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Zurück zu den Finnen. Was mir besonders gut gefällt, ist das Design des Films. Die Untertassen kommen in klassischer Aufmachung daher, kombiniert mit dem martialisch anmutenden Panzerplattenbau des WWII und liebevollen Details, wie einer unten montierten MG-Kapsel, dem klassischen Bomberbau des Dritten Reiches entlehnt. Auch die Aufnahmen aus der Vogelperspektive von der geheimen Monbasis zeugen von historischer Authentizität, belegen sie doch, dass die Nazis auch auf der Trabantenoberfläche ihrem architektonischen Stil treu geblieben sind. Auf dem Platz (rechts unten auf dem Bild) ist sogar eine eingelassene ‘Schwarze Sonne’ zu erkennen, jenes Symbol aus gespiegelten Siegesrunen, dass im Zuge der Umbaumaßnahmen der Wewelsburg in den Nordturm eingelassen wurde. Diese sollte dem Dritten Reich als ideologisches Zentrum und Hauptversammlungsort der SS dienen. Der Mythos der Reichsflugscheibe ist wiederum eng mit dem Geheimbund der Thule-Gesellschaft verknüpft, so dass man bei der Interpretation des vorliegenden Promomaterials schon absehen kann, wie freimütig sich das Filmteam der mythologischen Rumpelkiste bedient. Überdies ist der Besuch der Filmwebsite dringend zu empfehlen, wie auch der Telepolisartikel zum Film.

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Abschließend bleibt wie immer die müßige Frage, darf man das? Darf man mit so schwierigen Themen wie dem Nationalsozialismus auf leichte, ironische und scheinbar unkritische Weise verfahren, wie es im vorliegenden Fall wohl Tatbestand ist? Die Antwort ist einfach: Ja. Man darf nicht nur, man soll und muss sogar! Entgegen der Ansicht hiesiger Moralhüter, die unser sog. schweres Erbe am Liebsten in tieftraurige Mahnmale gießen, ansonsten aber den sinnvollen Diskurs ins Hinterzimmer verbannen und den Schlüssel fort schmeißen, halte ich die satirische Form der Aufarbeitung immer noch für die Beste. Eben weil sie dem Ganzen an Gewicht nimmt, eben weil sie Seitenblicke und allen voran eine dekonstruktivistische Ebene nicht nur zulässt, sondern gezielt fördert. Das Thema in seiner eher dramatischen Aufarbeitung transportiert das diesem inhärent ‘Böse’ weiter durch die Zeiten und erschafft damit einen Dämon, den es ja eigentlich zu bekämpfen gilt. Das, was aufklärerisch negiert werden soll, übt einen dunklen Charme des Verbotenen auf eine Vielzahl naiver Geister aus, die zu oft vorgeschobenen Idealen von Kraft, Ehre und Zusammengehörigkeit folgen, mit für diese zumeist ungeahnt bitteren Spätfolgen. Anstatt weiter den Dämon des Dritten Reiches zu kommunizieren, halte ich persönlich die Strategie des sich darüber Totlachens für die gesündere. Meine Meinung rekurriert zum einen auf eine Aussage Christoph Schlingensiefs, der einmal bemerkte, dass man die kaputte Jacke des Nationalsozialismus der Bevölkerung vor die Füße schmeißen solle, damit sie sich mal ein jeder überziehen und den Mist abarbeiten kann. Sprich, ihm ist im Syberbergschen Sinne an einer echten, persönlichen Auseinandersetzung gelegen, als Alternativkonzept zum Staatlichen, Deutschland flächendeckend mit Mahnmalen zuzupflastern. Zum anderen wirkt die humorvolle Strategie der zeitgenössischen, medialen Re- und Neumythologisierung des Themas entgegen, die u.a. Dietrich Kuhlbrodt in seinem 2006 erschienenen Buch Nazis immer besser aufzuzeigen versucht. Ansonsten ist das Nazifilmgenre eh schon längst zum rein profitorientierten Unterhaltungsfilm mutiert, in dem uns Nazis entweder als Menschen (Gratulation zu diesem revolutionären Akt, da hat aber jemand seiner ganzen Geisteskraft freien Lauf gelassen) präsentiert oder neue Actionhelden ins kollektive Gedächtnis implementiert werden. Ich hingegen bleibe dabei, dass Folgungswillige immer eher den düsteren, amoralischen Reizen einer dämonischen Figur folgen, als den zarten, heiteren des sinnierenden Clowns und lausche nochmal den Worten des Meisters:


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