Moviesampler#1
Der absolute Klassiker unter den Vampirfilmen: Die unauthorisierte Verfilmung (weswegen Dracula auch Graf Orlok heißt) des Romans von Bram Stoker, realisiert durch Friedrich Wilhelm Murnau 1922. In einem anderen Film, Shadow of the Vampire von E. Elias Merhige aus dem Jahr 2000, wird die fiktive Entstehungsgeschichte des Klassikers erzählt. Glänzend visualisiert und mit hervorragenden Darbietungen der Darsteller John Malkovich (Murnau), Willem Dafoe (Schreck) und Udo Kier (Grau) wird sich hier besonders auf den Wahnsinn Murnaus konzentriert, dem das Leben seiner Crew weitaus weniger wert ist als das filmische Endprodukt. Willem Dafoe hält derweil gekonnt den schmalen schauspielerischen Grat zwischen humorvoller Darbietung, angsteinflösender Monstrosität und Mitleid erregendem Hirngespinst – ein Muss für jeden Vampirfilmfan.
Von Murnau zu Fritz Lang, dem zweiten großen deutschen Regisseur der präfaschistischen Ära. M – Eine Stadt sucht einen Mörder gilt als eines der wichtigsten Werke deutscher Filmgeschichte und wird rückwirkend gerne als Allegorie auf den erstarkenden Nationalsozialismus während der Weimarer Republik gelesen.
Der Chirurg Dr. Bill Cortner arbeitet heimlich an Transplantationsexperimenten. Als bei einem von ihm verschuldeten Autounfall seine Verlobte Jan umkommt, schnappt er sich deren abgetrennten Kopf und hält diesen in einer speziellen Nährlösung am Leben, während er versucht, einen passenden Ersatzkörper für sie zu finden. Währenddessen entwickelt Jans, also das titelgebende Hirn, ungeplante Fähigkeiten. Im gleichen Raum wie sie ist in einem Wandschrank ein Monster eingeschlossen, die Verkörperung von Cortners sprichwörtlichen “Leichen im Keller”, nämlich das Ergebnis seiner bis dato fehlgeschlagenen Versuche. Es gelingt Jan, diesen Leidensgenossen telepathisch zu beeinflussen, wodurch dieser Cortner und seinen ebenfalls verkrüpptelten Assistenten ziemlich rabiat (und für 1959/1962 erstaunlich blutreich gefilmt) um die Ecke zu bringen, als ihr Ex-Verlobter endlich mit einem passenden weiteren Opfer wieder auftaucht. (aus einer Rezension vom 21.09.07 auf Der Neunte Planet)
Ich habe den Film die ganze Zeit mit einem anderen verwechselt, in dem ein Dr. Marlowe Frauen kidnappt, deren Lebensessenz dieser zu extrahieren wünscht (klar, was auch sonst?), um selbige anschließend seiner vor 22 Jahren verschiedenen Ehegattin Emily zuzuführen, die er seitdem in einem Halb-Leben-Halb-Tod-Zustand konserviert. Da die meisten seiner unfreiwilligen Probandinnen allerdings die Seele verlieren, landen sie in des Doktors Keller, in auf Hochglanz polierten Glaskästen zu Schau gestellt. Tja, der eine sucht ‘nen Körper, der andere Lebensessenz, würde mich stark wundern, wenn ein Dritter nicht auch noch ein Hirn suchte. Vielleicht sollten diese wahnsinnig gewordenen Wissnschaftler so eine Art soziales Netzwerk gründen: Suche Körper, biete Hirn könnte eine der Gruppen dann heißen – die Einspaarung der Leben Unschuldiger wäre sicher immens…
An dieser Stelle muss noch einmal auf den Youtube Movie Channel hingewiesen werden, ein wahres Fundbüro der schlechtesten Trash- und Exploitationfilme, wirklich ausgesucht mies. Die Filme sind im O-Ton in bestmöglicher Qualität kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine schön fiese Sache, wenn man diese auch nicht direkt einbinden kann. Um sich dem mülligen Vergnügen hingeben zu dürfen, muss man zunächst einen furchtbar schlechten Werbespot ertragen, der mitten im Film nochmals auftaucht. Das ist der wahre Horror!
Das Original zum eher miesen Remake von William Malone 1999. Ich liebe das Exposé: Frauenschreie, irres Gelächter, eine quietschende Tür, Schellen, fragwürdiges Stöhnen und dann der Kopf von Elisha Cook Jr. (Watson Pritchard), der – bemüht das Gesicht eines Menschen zu imitieren, der das Grauen sah - uns Folgendes mitzuteilen hat: “The ghosts are moving tonight restless – hungry.” Was für ein Spaß!
Yann Arthus-Bertrand ist bekannt für seine spektakulären Landschaftsaufnahmen. Nun hat er seine Vogelflugstilistik in Bewegtbilder übersetzt. Der Film Home soll ein nachhaltiges Bewußtsein für die fundamentale Wichtigkeit des Umweltschutzes im Betrachter evozieren. Einzig nervig dabei ist das Gequatsche aus dem Off. Wie bei der Reise der Pinguine ist zu empfehlen, den Ton einfach abzuschalten, die eigene Tonträgersammlung zu bemühen und dann schlichtweg zu genießen. Bemerkenswert ist die Art und Weise der Distribution. Auf jegliche Vorprämieren im Kino wurden verzichtet, um den Film gleichzeitig über alle Kanäle (Internet, TV, Kino und DVD) zu schalten. Ein weiterer Schritt auf dem langen Weg des Umdenkens, weg von veralteten und einseitigen Distributionsformen und -mechanismen.











Hallo.
Es gibt am 11. und 12. Juli an der Uni Köln ein Symposium zur Aesthetik der Gewalt mit Filmvorführungen und Vorträgen. Falls dich das interessiert hab ich nen Flyer, im Internet ist noch nix.
Grüße
Olli
Supergeil, vielen Dank für den Tipp! Da muss ich hin, will mich auch auf den neuesten Stand bringen, das wird meiner wissenschaftlichen Arbeit sehr zuträglich sein. Gehst du?
Ja den ein oder anderen Vortrag würd ich mir schon ansehen. Kannst du dir vom Henning mal meine Telnr geben lassen und mich anrufen, wenn du Bock hast.
Grüße
Ol
Nur eine Idee davon, auf welch atemberaubende Art und Weise die Ästhetik der Gewalt in Bilder gebannt werden kann, liefert der Trailer des zu Unrecht vernachlässigten Kunstfilms “Surf Nazis must die” aus den späten 80ern. Hier der Link dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=bWvAtqhuiI4
“Taste some of mum’s home cooking, Adolf!” Killer, ich bin angewiedert und hoch erfreut – Vielen Dank für den Link!