Archiv für Juni 2009

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Videosampler#2

Videosampler_2

Auch diesmal habe ich wieder die absoluten Perlen der Filmlandschaft für euch ausgewählt. Von Monster-Trash über einen Remake-Filmwettbewerb bis hin zu einer wirklich kuriosen Top 50 Liste ist alles vertreten. Wie immer wünsche ich ein absurdes Vergnügen!

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Werbung, Gewalt und Subtext


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Zunächst gilt es festzustellen, dass beide Werbeclips in der Machart vollkommen unterschiedlich sind. Der erste ist eine Computeranimation, besteht aus nur einer einzigen Plansequenz und wird in der Ich-Perspektive visualisiert. Der Zweite hat eine sehr hohe Schnittfolge, unterschiedliche Einstellungen (obwohl die Groß- bzw. Detailaufnahmen dominieren), wechselt stetig zwischen Zeitraffer und Zeitlupe und ist größtenteils in Realfilm gedreht. Doch besitzen beide ein übereinstimmendes, primäres Element: Die Werbebotschaft wird mittels eines Kriegssujets kommuniziert. Und das ist relativ außergewönlich, wenn man sich die beworbenen Produkte einmal genauer anschaut. Im ersten Fall wird die international tätige Sprachschule inlingua beworben, im zweiten ein Antiallergikum. Interessant ist auch die ästhetische Umsetzung. Der inlingua-Spot bedient sich der klassischen Ego-Shooter-Ästhetik, in ihrer vorliegenden Ausprägung an eine Mission aus dem Genre der WWII-Shooter (Omaha Beach) erinnernd, während der Benadryl-Spot eher an ein Vietnamfilmsetting erinnert. Während erster Spot äußerst kohärent in der Visualisierung der Botschaft verfährt, da alle Objekte aus Buchstaben bestehen, ist der zweite maßgeblich durch Dekontextualisierung geprägt, der eine gewalttätig-kriegerische Assoziation einzig auf der tonalen Ebene etabliert. Natürlich ist der reinen Visualisierung mittels der Großaufnahmen von aufplatzenden, explodierenden oder ins Bild hereinbrechenden Sporen und Samen an sich schon eine gewisse Gewalt inhärent. Der sinnstiftende Zusammenhang zu Krieg wird jedoch erst  in der Kombination mit den Soundeffekten (Rotoren, MG-Feuer, Granatexplosionen) geschaffen.

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Neuer Trash – Weltraumnazis

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Was wir hier sehen, ist das äußerst gelungene Filmplakat zu Iron Sky, einer Nazi-Science-Fiction-Groteske von Timo Vuorensola, die im Januar 2011 in die finnischen Kinos Einmarsch halten soll. Das Plakat selbst verrät uns schon viel: Die Klauen des stählernen Adlers graben sich kraftvoll, zerstörerisch tief in die Mondoberfläche, hunderte fliegende Untertassen im feinsten Ed-Wood-Design schwirren umher, und eine dreiste Taube hat nichts besseres zu tun, als dem Stahlungetüm aufs strenge Haupt zu kacken. In feinster B-Horrorfilm-Typografie verkündet die Headline eine erschreckende Neuigkeit: Es gibt Nazis auf dem Mond! Verdammt, als hätten wir auf der Erde nicht schon genug davon! Weiter unten wird man dann ermutigend dazu aufgerufen, sich in den Kampf zu begeben und schnell noch eine Hundemarke zu erstehen. Zusammen gefasst also: Mondnazis (echt viele, echt sauer und echt gefährlich) kommen. Verteidigungsstrategie: Marken kaufen, lachen!


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Symposium in Köln

symposium_vorschau Unter dem Titel Ästhetik der Gewalt findet am 11. – 12. Juli 2009 am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln ein Symposium statt, bei dem es sich im Wesentlichen um die Gewaltdarstellung in verschiedenen Medien (von Publizistik über Malerei zu Film ist alles vertreten) geht. Die Themen behandeln einen zeitlich sehr weiten Raum, die Sujets scheinen sehr vielfältig zu sein. Mich dürften wohl am stärksten die Themenbereiche Medialität der Gewalt, Kriegsgewalt und Mythos und Gewalt interessieren. Ach ja, A Clockwerk Orange wird auch gezeigt; das ist zwar nicht gerade originell, aber immer wieder ein Erlebnis auf großer Leinwand.  Bin sehr gespannt, etwas über den momentanen Forschungsstand jenseits der aktuell publizierten Werke in Erfahrung zu  bringen – ob Wissenschaftler wohl Zombiefilme mögen? Ich werde es bestimmt herausfinden. Alle Interessierten mögen auf das Bild klicken. (Dank an Olli für den Tipp und Adi für das PDF.)

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Alter Trash – Buchempfehlung

Rolf Giesen

Im Zuge einer kleinen Antiquariatsplünderung wegen Räumungsverkaufs habe ich in den Tiefen der Regale ein echtes Kleinod gefunden: Kino wie es keiner mag. Die schlechtesten Filme der Welt. Dieses prächtige Buch von Rolf Giesen aka Dr. Horror aus dem Jahre 1984 ist nicht nur humorvoll und erzählerisch gekonnt geschrieben, es gewährt auch schockierende Einblicke aus dem inneren Kreis des professionellen Filmjournalismus. Hier finden wir etwa Zitate eines US-amerikanischen Gouverneurs, der über seine erste große Rolle in einem Interview bemerkte:

Ich bin Conan! Er ist wie ich, ein sehr physischer Charakter. Während des ganzen Films gibt es keinen Augenblick, in dem er denkt.

Phantastisch – daran scheint sich bis heute ja auch nicht viel geändert zu haben. A Propos, der Herr Schwarzenegger hat einer Gastrolle in Sly Stallones neuem Film The Expendables zugesagt; das aber nur am Rande. Des Weiteren lässt Giesen in seinem Buch kein gutes Haar an deutschen Schauspielerikonen wie etwa Hanna Schygulla, klärt uns über die erregende Welt des Sex- und Sittenfilms auf und verortet  die Wüdenträger des Neuen Deutschen Film neben den B-Movie-König Edwood D. Wood Jr.. Einer der absoluten Höhepunkte bietet die Besprechung von dem Gemüserachefilm Angriff der Killertomaten. Außerdem wartet Giesen mit Filmen auf, von denen wohl die Wenigsten bisher gehört haben werden, wie z.B. dem Experimentalfilm Corn von Larry Gottheim (der selbst bei imdb nicht gelistet ist) aus dem Jahre 1970,  der sein Machwerk selbst als das “Ding” bezeichnete und durch eine einzige, 11 Minuten dauernden Einstellung eines Fensterbrettes besticht. Die Szenerie wird kontinuierlich mit Maisschoten gefüllt. Das ist der ganze Film:

Prosaischere Zeitgenossen freilich haben bei dem “Ding” das unbestimmte Gefühl, da habe jemand achtlos eine laufende Schmalfilmkamera liegenlassen und sich hinterher selbst darüber gewundert, was drauf war.

Oder ein Bericht von der Perry-Rhodan-Verfilmung Der Einsame der Zeit, der irgendwann 1968 zu drehen begonnen wurde (es hieß er würde wohl niemals fertig werden) und dann in der vollendeten Fassung mit einer Gesamtlänge von drei Tagen aufwartete – alles auf 8mm.

Tränen des Lachens füllten meine Augen bei dem Kapitel Schlagzeilen die keine Filmgeschichte machten; hier eine Kostprobe:

Angst, Haß, Wollust und Gewalt
durchrasen diesen höllischen Superschocker,
der die nackte Fratze menschlicher Perversionen
schonungslos geißelt!
(Supervixens Eruption)

Wo der Mensch ohnmächtig ist gegen die übernatürlichen Kräfte der Vampire, kann nur einer helfen, der Superheld!
(Ein Superheld gegen Vampire)

Er heißt MIKE. Keiner kennt ihn.
Er wird verspottet, geschlagen, verfolgt.
Aber er bekommt seine letzte Chance, wenn er in 3,8 auf 100 beschleunigt.
(Mike in 3,8 auf 100)

Unterhaltende, gut geschriebene Lästerei von einem Profi – die schöne Seite der Filmkritik. Wer das Buch günstig erstehen will, sollte mal bei zvab vorbeischauen. Ich schließe mit den von Giesen ins Deutsche übersetzten weisen Worten Bela Lugosis aus Glen or Glenda?

Hüte dich! Hüte dich
vor dem großen grünen Drachen,
der vor deiner Haustür sitzt!
Er frißt kleine Schwänze junger Hunde und
dicke, fette Schnecken.
Hüte dich!
Nimm dich in acht!
Hüte dich!


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Was immer das auch bedeuten möge, ich für meinen Teil hüte mich vor schlechten Filmen, die jedoch, entgegen der von Giesen besprochenen Filme, tagtäglich über die Riesenleinwände der heutigen Belustigungstätten flimmern und Hirn und Herz der Menschen veröden. Das ist allerdings eine andere Geschichte…

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